US-Polizisten in San Bernardino kurz nach der Schießerei in einer Behinderteneinrichtung © Mike Blake/Reuters

In Kalifornien sind bei einer Schießerei während einer Mitarbeiterfeier in einer Sozialeinrichtung 16 Menschen getötet und mehrere Personen verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich in San Bernardino, einer Kleinstadt etwa eine Stunde Fahrtzeit östlich von Los Angeles. Mehrere Stunden nach dem Angriff tötete die Polizei zwei Verdächtige, eine Frau und einen Mann. Letzterer hatte an der Feier teilgenommen, bei der es zu einem Streit gekommen sein soll.

Nach Angaben der Polizei eröffneten die beiden das Feuer, als sich mindestens 100 Mitarbeiter der Kreisverwaltung in einem Saal versammelt hatten. Die Täter trugen paramilitärische Kleidung und waren mit Sturmgewehren und Handfeuerwaffen ausgerüstet. Nach der Schießerei ergriffen sie in einem schwarzen Sportgeländewagen die Flucht. Mehrere Stunden später wurde der Wagen gestellt. Es kam zu einer Schießerei, bei der der Mann und die Frau getötet wurden. Ein Polizist wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Bei den Schützen handelt es sich um einen 28-jährigen US-Bürger muslimischen Glaubens und um eine 27 Jahre alte Frau. Der Mann arbeitete der Polizei zufolge seit fünf Jahren als Umweltexperte für das Gesundheitsamt der Stadt, dessen Mitarbeiter sich zu einer Weihnachtsfeier versammelt hatten. Nach Angaben von Augenzeugen kam es zu einem Streit, woraufhin der 28-Jährige den Saal wütend verlassen haben soll und kurz darauf mit seiner Frau zurückkehrte. Ein anderer Zeuge sagte, er habe bei der Feier noch kurz vor der Schießerei am selben Tisch wie der Verdächtige gesessen. Plötzlich sei sein Kollege verschwunden gewesen, seinen Mantel habe er auf seinem Stuhl zurückgelassen.

Schütze soll in Saudi-Arabien gewesen sein

Das Motiv der Tat ist allerdings noch völlig unklar. Einen Amoklauf schließt die Polizei aus. "Die Schützen waren gut auf ihre Tat vorbereitet gewesen und sind sehr gezielt vorgegangen", sagte der Polizeichef von San Bernardino, Jarrod Burguan. "Als wären sie auf einer Mission." Es müsse "zumindest von einer einheimischen terroristischen Situation" gesprochen werden. Am Tatort wurde zudem ein Sprengsatz gefunden, das FBI ermittelt.

Ein Arbeitskollege sagte der Los Angeles Times, der Mann sei vor wenigen Monaten in Saudi-Arabien gewesen. Demnach ist der Verdächtige im Frühjahr für rund einen Monat in das islamische Land gereist und mit einer Ehefrau zurückgekehrt. Als er zurückgekommen sei, habe sich herumgesprochen, dass er geheiratet habe. Die Frau habe er als Apothekerin beschrieben. Die beiden haben eine sechs Monate alte Tochter. Der Arbeitskollege beschrieb den Verdächtigen als zurückhaltend, er habe sich nicht ungewöhnlich verhalten.

In Büros und Schränken versteckt

In und vor der riesigen Einrichtung, in der geistig behinderte Menschen betreut werden, spielten sich dramatische Szenen ab. Die Direktorin Lavinia Johnson sagte dem Fernsehsender CNN, sie habe mit ihren Mitarbeitern im Gebäude gewartet, bis sie von Polizisten nach draußen geführt worden sei. "Es war ein sehr traumatisches Ereignis für uns." Angehörige warteten vor dem Gebäude voller Angst auf Nachrichten. "Es dauerte eine Stunde, bis ich erfuhr, dass es meiner Tochter gut geht", sagte eine 63-Jährige. Die Polizei wies die Anwohner an, auf keinen Fall auf die Straße zu gehen. Augenzeugen berichteten, Angestellte im Gebäude hätten sich in Büros und Schränken versteckt.

In dem angegriffenen Sozialzentrum, dem Inland Regional Center, wird die Betreuung von Menschen mit Entwicklungsverzögerungen koordiniert. Die mehr als 670 Mitarbeiter bieten Programme für 30.000 Menschen an.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton schrieb auf Twitter, derartige Schießereien könnten nicht als normaler Lauf der Dinge akzeptiert werden. "Wir müssen jetzt handeln, um Gewalt mit Schusswaffen zu stoppen."

Präsident Barack Obama äußerte sich ähnlich und mahnte einmal mehr eine Verschärfung der laxen Waffengesetze an, um der Gewalt Einhalt zu gebieten: "Wir können Schritte machen, um die Chancen zu verbessern, dass sich diese Massenschießereien nicht so oft zutragen", sagte er dem Sender CBS. Es gebe "ein Muster von Massenschießereien in diesem Land, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt". Weiter appellierte Obama: "Wir brauchen strengere Waffengesetze, stärkere Hintergrundüberprüfungen, das sagt der gesunde Menschenverstand." Es könne nicht sein, dass jeder in einen Laden gehen und eine Schusswaffe kaufen könne. "Das ist ein Gesetz, das geändert werden muss."

300 Millionen Waffen in Privatbesitz

In den Vereinigten Staaten kommt es immer wieder zu tödlichen Schießereien. Erst vergangene Woche hatte ein Mann in einer Abtreibungsklinik im Bundesstaat Colorado das Feuer eröffnet und drei Menschen getötet. Nach einem Angriff auf eine Grundschule in Newtown, bei dem vor drei Jahren 20 Kinder getötet worden waren, hatte Obama erstmals versucht, die Waffengesetze zu verschärfen. Der Lobbyverband National Rifle Association (NRA) lief dagegen aber Sturm, der Vorstoß scheiterte wenige Monate später im Senat. Auch weitere Versuche Obamas liefen ins Leere.

Das Recht auf Waffenbesitz ist in der US-Verfassung verbrieft, Schätzungen zufolge befinden sich rund 300 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz. Kritiker machen dafür vor allem die schwachen Waffengesetze verantwortlich.