Der Ort der Messerattacke südlich von Nablus im Westjordanland © Ammar Awad/Reuters

Zwei Palästinenser haben im nördlichen Westjordanland einen israelischen Soldaten mit Messern verletzt und sind daraufhin erschossen worden, teilte die israelische Armee mit. Ein weiterer Soldat sei bei dem Vorfall an der Militärsperre Huwara südlich von Nablus versehentlich durch die Schüsse verletzt worden. Die beiden Angreifer waren nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 17 und 23 Jahre alt.

Schon seit Monaten ist die Lage in Israel und den besetzten Palästinensergebieten stark angespannt. Bei den fast täglichen Angriffen von bewaffneten Palästinensern gegen israelische Sicherheitskräfte und Zivilisten sind bereits 20 Israelis und mehr als 130 Palästinenser getötet worden.

Auch an Heiligabend hat es bei Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern Tote gegeben. Vier Palästinenser wurden erschossen. Zuvor waren in Jerusalem zwei Palästinenser getötet worden, die an einem Zugang zur Altstadt Passanten ebenfalls mit Messern angegriffen hatten.

Auslöser für die Gewalt ist der Streit um den Tempelberg, einem sowohl für Muslime als auch für Juden heiligen Ort in Jerusalem.

Aufgrund der zahlreichen Angriffe in Israel und den Palästinensergebieten kamen in diesem Jahr weniger Touristen zu Weihnachten nach Bethlehem. Nach Angaben der Bürgermeisterin Vera Baboun sind die Hotels nicht einmal zu 40 Prozent ausgebucht. Allein im Dezember 2014 waren noch 78.783 Besucher nach Bethlehem gekommen, im ganzen Jahr rund 1,1 Millionen.

Wenig Hoffnung auf Frieden

Viele Palästinenser sind frustriert, weil sich ihre Lage trotz jahrzehntelanger Friedensgespräche nicht verbessert hat. Viele haben auch das Vertrauen in die Führung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verloren.

US-Präsident Barack Obama hatte im November erklärt, er rechne bis zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr mit einem Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Er habe damit eine "realistische Einschätzung" getätigt, dass dies nicht mehr möglich sei, berichteten Regierungsvertreter in Washington. Obamas Zeit als Präsident der USA endet im Januar 2017.

US-Außenminister John Kerry hat Israel dazu aufgerufen, Abbas schon aus eigenem Interesse zu unterstützen. Ansonsten fiele die Verwaltung des Westjordanlandes Benjamin Netanjahus Regierung zu. Das könnte letztlich dazu führen, dass die Idee einer Zweistaatenlösung komplett aufgegeben werden müsse und damit auch die Zukunft Israels als jüdischer Staat.