Rund jeder sechste Deutsche hat nach den Anschlägen von Paris und den Übergriffen von Köln sein Verhalten im Alltag geändert. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa hervor, die im Auftrag von ZEIT und ZEIT ONLINE entstanden ist.

Männer und Frauen reagieren demnach unterschiedlich auf die Gewalttaten in Köln und in anderen Städten. Fast jede fünfte Frau gibt an, sie sei nun vorsichtiger oder misstrauischer; ein Teil von ihnen meidet Großveranstaltungen. Demgegenüber sagen nur zehn Prozent der Männer, dass sie sich im Alltag anders verhalten.

Generell gilt: Eine wachsende Minderheit versucht, sich das Gefühl von Sicherheit zu kaufen, indem sie sich bewaffnet. Allein in der niedersächsischen Stadt Oldenburg wurden im Januar 200 sogenannte Kleine Waffenscheine beantragt, in Köln waren es in den ersten Januarwochen 1.200 – rund drei Mal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Das ergaben Recherchen von ZEIT und ZEIT ONLINE. Auch in Bayern und Sachsen hat sich die Zahl der Anträge vervielfacht.

Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Zeiten, in denen Deutschland von Jahr zu Jahr zu einem immer zuversichtlicheren Land geworden war, gerade zu Ende gehen.

Diese These wird gestützt durch Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, die die Frankfurter Allgemeine Zeitung in dieser Woche veröffentlicht hat. Demnach geben mittlerweile 58 Prozent der Deutschen an, in sehr unsicheren Zeiten zu leben. Rund 82 Prozent der Befragten fürchten sich demnach vor einer Zunahme der Kriminalität.

Erhärten sich die Zahlen, wäre das eine Trendwende. Umfragen zur Kriminalitätsangst hatten immer wieder ergeben, dass die Furcht der Deutschen vor Kriminalität in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken ist. Noch Ende 2014 sagten in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) lediglich 14 Prozent der Befragten, dass sie sich eher unsicher oder sehr unsicher fühlen, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß in ihrer Wohngegend unterwegs seien.

Die Umfrage von forsa zeigt allerdings auch, dass bisher kaum jemand in Deutschland finanzielle oder ökonomische Einbußen durch die Ereignisse von Köln und Paris spürt. Lediglich drei Prozent geben an, finanzielle Auswirkungen zu spüren. Unter AfD-Anhängern liegt der Anteil bei zehn Prozent.   

Mehr zu den neuen Ängsten der Deutschen lesen Sie in der ZEIT Nr. 5 vom 28.01.2016. Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben.