Nach den Vorfällen in Köln haben 22 Feministinnen eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt gestartet. Auf der Website ausnahmslos.org und unter dem Twitter-Hashtag #ausnahmslos fordern sie eine schnelle Aufklärung der Taten und bessere Prävention. "Die Schutzlücken im Straftatbestand der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung müssen endlich geschlossen werden."

Zu den Verfasserinnen der Erklärung gehört auch Anne Wizorek. Vor drei Jahren hatte sie die Kampagne #aufschrei ins Leben gerufen. Damals hatten anzügliche Bemerkungen des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber der stern-Journalistin Laura Himmelreich für Empörung gesorgt. In der Folge entspann sich eine wochenlange Debatte über Sexismus im Alltag.   

An der aktuellen Aktion beteiligen sich als Mitunterzeichnerinnen auch Politikerinnen wie Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und die Parteichefin der Linken, Katja Kipping. Auch Aktivistinnen wie Anne Roth und die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis zählen zu den mittlerweile mehr als 400 Unterzeichnerinnen.

Forderung nach neuen Gesetzen

Insgesamt 14 Ziele hat das neue Aktionsbündnis formuliert. Zu den Forderungen zählen unter anderem mehr öffentliche Aufklärungsarbeit und vor allem eine Änderung der Gesetzeslage. Denn sexuelle Belästigung ist in Deutschland noch kein eigenständiger Straftatbestand. Ohne körperliche Gewalt fehlt bislang die Grundlage, eine Verurteilung kann dann nur wegen Nötigung erfolgen. Damit richten sich die Forderungen auch direkt an die politischen Verantwortlichen wie Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der sich ebenfalls an der Kampagne beteiligt. 

Zu den #ausnahmlos-Verfasserinnen zählt die muslimische Bloggerin und Aktivistin Kübra Gümüşay. 2013 hatte sie bereits den Hashtag #SchauHin gegen Alltagsrassismus initiiert. In der neuen Kampagne setzen sich Gümüşay und ihre Mitstreiterinnen nun auch gegen eine Islamisierung sexualisierter Gewalt ein.

"Das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt darf nicht 'islamisiert' und damit pauschal einer Religion und ihren – häufig vermeintlichen – Angehörigen zugeschrieben werden", heißt es in der Erklärung. "Damit werden mindestens 5 Millionen Menschen in Deutschland unter Generalverdacht gestellt. Redaktionen sollen reißerische und stigmatisierende Deutungen vermeiden, denn diese ziehen konkrete negative Folgen für Mitglieder unserer Gesellschaft nach sich."