Vier junge Syrer, die in einem Flüchtlingscamp bei Calais gestrandet waren, haben sich vor Gericht das Recht auf Einreise nach Großbritannien erstritten. Die drei Teenager und ein 26-Jähriger trafen am späten Donnerstagabend in London ein, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Stunden zuvor hatte ein Gericht entschieden, dass die vier zu ihren Verwandten in Großbritannien ziehen dürften, solange ihre Asylanträge bearbeitet würden. Nach Einschätzung von Menschenrechtlern könnte der Fall den Weg für andere Flüchtlinge ebnen, die Beziehungen nach Großbritannien haben.

Sein Fall zeige, dass es einen legalen und sicheren Weg nach Großbritannien gebe, sagte ein 17-Jähriger aus der Gruppe. Bei Calais leben Tausende Flüchtlinge unter katastrophalen Bedingungen, viele wollen durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien.

Eigentlich müssen gemäß der sogenannten Dublin-Regeln Asylverfahren in der EU in den Ländern geführt werden, in denen die Flüchtlinge erstmals ihren Fuß auf EU-Boden gesetzt haben. Das Gericht urteilte aber, wegen des "Versagens" der französischen Behörden und des Anrechts von Flüchtlingen auf ein Familienleben müssten die in Calais gestrandeten vier Flüchtlinge zu ihren Angehörigen nach Großbritannien einreisen dürfen.

Kurz erklärt - Das Nadelöhr von Calais

Hoffnung für andere Minderjährige

"Ich bin sehr dankbar. Ich hätte niemals gedacht, dass ich meinen Bruder jemals wiedersehen würde", sagte der Jugendliche nach seiner Ankunft in London. Der Jurist George Gabriel von der Nichtregierungsorganisation Citizens UK geht davon aus, dass nun auch für viele andere Flüchtlinge im dem berüchtigten "Dschungel"-Lager von Calais Hoffnung besteht. Dort sitzen Tausende unter erbärmlichsten Bedingungen fest. "Es ist klar, dass die Gerichtsentscheidung auch für alle Minderjährigen in dem Lager gilt, die Angehörige in Großbritannien haben", sagte Gabriel.

Großbritannien gehört nicht zur Schengenzone, die Grenzkontrollen finden auf der französischen Seite des Tunnels statt. Großbritannien will 20.000 Syrer bis zum Jahr 2020 aufnehmen, sie aber aus den Lagern rund um die syrische Grenze holen. Die Aufnahme bereits in Europa angekommener Flüchtlinge würde nach Ansicht der Regierung andere ermutigen, die lebensgefährliche Flucht zu wagen.