Die jüdische Gemeinde in Marseille hat nach der Messer-Attacke auf einen jüdischen Lehrer zu einem Kippa-Verzicht in der Öffentlichkeit aufgerufen. Die Juden in der südfranzösischen Hafenstadt sollten die jüdische Kopfbedeckung vorerst nicht mehr tragen, sagte der Vorsitzende des sogenannten israelitischen Konsistoriums in Marseille, Zvi Ammar.

Juden müssten sich derzeit "ein bisschen verstecken". Mit Blick auf den Ernst der Ereignisse müssten außergewöhnliche Entscheidungen getroffen werden. Die Kippa solle bis zu "besseren Zeiten" nicht getragen werden. Dies sei die schwerste Entscheidung seines Lebens, sagte Ammar. Es sei ihm aber lieber, dafür kritisiert zu werden, als sich irgendwann Vorwürfe machen zu müssen, wenn etwas Schreckliches passiert sei.

Frankreichs Oberrabbiner Haïm Korsia sieht darin eine verständliche emotionale Reaktion, widersprach aber gleichzeitig: "Wir dürfen nicht klein beigeben, wir werden auch weiterhin die Kippa tragen."

Auch der Präsident des jüdischen Spitzenverbandes Crif, Roger Cukierman, sagte, die Empfehlung von Marseille sei "sicher keine gute Idee". Damit werde eine Haltung von Aufgabe und Verzicht transportiert.

Die Polizei hatte nach der Attacke einen 15-Jährigen festgenommen, der sich auf Allah und die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) berief. Schon im November war in Marseille ein Lehrer einer jüdischen Schule bei einer ähnlichen Attacke verletzt worden. Die Zahl der Übergriffe gegen Juden oder jüdische Einrichtungen war im vergangenen Jahr in Frankreich drastisch gestiegen.