ZEIT ONLINE: Frau Kambouri, hatten Sie in Ihrem Polizeialltag schon mal mit Vorfällen wie denen in der Silvesternacht in Köln zu tun?

Tania Kambouri: Nein, so etwas habe ich persönlich noch nicht erlebt, meine Kollegen aber im kleineren Rahmen sehr wohl. In einem Fall sind Kollegen von mir zum Beispiel schon vor Silvester gegen einen Schwarzafrikaner eingeschritten, der am Hauptbahnhof Bochum eine Frau mit zwei kleinen Kindern belästigte, sie verfolgte und immer wieder körperlich bedrängte. Als die Kollegen eingriffen, hat er um sich getreten, und als er dann fixiert wurde, rief er: "Asyl, Asyl!"

ZEIT ONLINE: Haben Sie selbst im Dienst mit Asylbewerbern zu tun?

Kambouri: In der Vergangenheit, also vor der Flüchtlingskrise, hatte ich gelegentlich Einsätze mit Flüchtlingen. Jetzt habe ich aber immer öfter Kontakt mit ihnen.

In Bochum haben wir keine Massenunterkünfte, sodass wir nicht täglich in die Unterkünfte gerufen werden. Aber meine Kollegen und ich haben immer mehr Einsätze mit Flüchtlingen, die außerhalb der Unterkünfte z.B. Diebstähle, Kfz-Aufbrüche und Körperverletzungen begehen.

ZEIT ONLINE: Welche Erfahrungen machen Sie da?

Kambouri: Viele Menschen wirken sehr eingeschüchtert, verängstigt, unterwürfig, wenn wir in Uniform kommen. Die haben denke ich überwiegend schlechte Erfahrungen mit der Polizei in ihrer Heimat. Aber natürlich treffen wir auch immer wieder auf Gruppen von jungen Männern, die sich schlecht benehmen: laut, aggressiv, respektlos, frauenverachtend, gewalttätig. Viele davon kommen aus Nordafrika, Algerier, Marokkaner, die machen uns schon Sorgen.

ZEIT ONLINE: Solches Verhalten kennen Sie: In Ihrem Buch Deutschland im Blaulicht haben Sie beschrieben, wie Sie im Dienst immer wieder mit hoher Gewaltbereitschaft und offener Frauenverachtung konfrontiert werden, vor allem, wenn Sie mit jungen, muslimisch geprägten Migranten zu tun haben. Welche Rolle spielt da tatsächlich die Religion?

Mehr zur Debatte nach den Angriffen in Köln finden Sie in der ZEIT Nr. 3 vom 14.01.2016 mit dem Titel „Wer ist der arabische Mann?“

Kambouri: Das weiß ich nicht. Ob meine "Kunden" religiös sind, kann ich oft nicht beurteilen, nur wenn sie direkt im Einsatz z.B. sagen: Ich trinke keinen Alkohol oder nehme Drogen, weil ich Moslem bin. Oder wenn immer öfter "Allahu akbar" gerufen wird. Deswegen sage ich auch immer: Migranten aus muslimisch geprägten Ländern. Persönlich habe ich den Eindruck, dass das zum einen fehlende Bildung und zum anderen vor allem kulturelle Prägungen sind, die Rolle des Vaters, die Rolle der Frauen, dass man Konflikte mit Gewalt löst.

ZEIT ONLINE: Welche Erfahrungen machen Sie mit den Mädchen und Frauen aus diesen Milieus?

Kambouri: Die allermeisten machen überhaupt keine Probleme. Die sind sehr höflich und zurückhaltend.

ZEIT ONLINE: Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen, zum Beispiel zwischen türkischen und arabischen jungen Männern?

Kambouri: Aktuell im Einsatz kann ich nicht immer genau sagen, wo einer herkommt. Respektlosigkeit und diese Gruppenbildung habe ich bei allen erlebt, da gibt es keinen Unterschied. Was schon anders ist: In NRW haben wir viel mit libanesischen Clans zu tun. Diese Clanbildung, die sehe ich bei türkischstämmigen Migranten nicht so häufig.