Protestveranstaltung für den Erhalt der ambulanten Geburtshilfe (im April 2014 in Berlin) © Marcus Golejewski/Geisler-Fotopress/dpa

Nach jahrelangem Streit können freiberufliche Hebammen einen erhöhten Ausgleich für ihre stark verteuerten Haftpflichtversicherungen erhalten. Die ersten von etwa 3.000 Geburtshelferinnen bekamen vom Spitzenverband der Krankenkassen GKV jetzt zwischen 3.270 Euro für ein halbes und 6.540 Euro für ein ganzes Jahr überwiesen. Um den Ausgleich zu bekommen, muss die Hebamme einen Antrag stellen und mindestens vier Geburtshilfen im Jahr nachweisen.

Bisher konnten Hebammen ihre gestiegenen Versicherungskosten decken, indem sie in Abstimmung mit den Kassen höhere Beträge abrechneten. Jetzt können sie direkte Zuschüsse erhalten. Eine Schiedsstelle hatte den Kompromiss mit den Kassen ausgehandelt. Er gilt seit Jahresbeginn.

Unklar ist die Situation für die etwa 2.400 freiberuflichen Hebammen, die zu den insgesamt 19.000 Mitgliedern des Deutschen Hebammenverbandes zählen und derzeit Geburtshilfe anbieten. Der Verband klagt gegen den Schiedsspruch. Er sieht seine Hebammen auch nach der Schiedsgerichtsentscheidung deutlich benachteiligt. Der Kompromiss entspreche nicht der jüngst geänderten Gesetzeslage "und enthält insgesamt so viele Mängel und Lücken, dass er nicht anwendbar ist". Zudem stellte der Verband einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz. Würde dem stattgegeben, könnten sich künftig weitere Zahlungen auch für Nichtmitglieder bis zu einem Gerichtsurteil verzögern. Zwei von drei Hebammenverbänden hatten den Schiedsspruch vom September dagegen akzeptiert.     

Trotz dieses jahrelangen Streits ist die Zahl freiberuflicher Geburtshelferinnen nach Angaben des GKV-Spitzenverbands im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Waren dies im Oktober 2014 noch 5.018 Hebammen, lag die Zahl ein Jahr später bei 5.121 und damit um etwa zwei Prozent höher. 2009 waren es noch 4.516 Hebammen gewesen. Der Deutsche Hebammenverband nannte die Zahlen widersprüchlich und nicht aussagekräftig. Die Zahl der Geburtshelferinnen liege mit etwa 2.500 deutlich niedriger, wenn man nur jene zähle, die sich derzeit so versichert haben, dass sie Geburtshilfe auch anbieten können, erläuterte eine Sprecherin.

Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes von Ende November soll die Gruppenhaftpflicht für ihre freiberuflichen Geburtshelferinnen zum 1. Juli 2016 erneut um neun Prozent auf dann jährlich 6.843 Euro steigen. Die Berufsverbände hatten befürchtet, dass die Zahl freiberuflicher Geburtshelferinnen wegen der hohen Berufshaftpflichtprämien stark sinken könnte

Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden Seiten war die Frage nach Qualitätskriterien für Hausgeburten. Je Hausgeburt bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen bei Tag etwa 870 Euro, bei Nacht 1.034 Euro. Bei einer Geburt im Geburtshaus liegen die Tarife am Tag bei gut 1.460 Euro und in der Nacht bei gut 1.600 Euro. In Deutschland gibt es nach der Statistik etwa 130 Geburtshäuser, in denen Hebammen alternativ zur Klinik Geburtshilfe anbieten.