Die Bundespolizei hat in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof nach bisherigem Stand 32 Straftaten festgestellt – mit 31 namentlich bekannten Tatverdächtigen. Das sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums unter Berufung auf einen vorläufigen Bericht der Bundespolizei. Unter den Tatverdächtigen seien auch Asylbewerber. Bei diesen Delikten handele es sich aber überwiegend um Körperverletzungen und Diebstähle. Sexualdelikte seien bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden.

Zwar seien wegen Sexualdelikten drei Strafanzeigen bei der Bundespolizei eingegangen, sagte der Sprecher weiter. Tatverdächtige seien in diesen Fällen aber nicht ermittelt worden. Unter den 31 bekannten Verdächtigen der übrigen Delikte seien neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer und zwei deutsche Staatsangehörige. 18 von ihnen seien Asylbewerber.

Der Sprecher sagte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen. Die Bundespolizei agiert auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Zwei Verdächtige vor den Haftrichter

Vorwürfe, die Bundespolizei sei unterbesetzt gewesen, wies der Sprecher erneut zurück. In der Silvesternacht seien 67 Beamte der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof im Einsatz gewesen. Das sei deutlich mehr als an normalen Abenden und auch mehr als am Silvesterabend ein Jahr zuvor.

Die Polizei in Köln hatte am Freitag außerdem zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Der Tatverdacht gegen die beiden habe sich allerdings nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Benedikt Kortz am Nachmittag. Die zwei Männer im Alter von 16 und 23 Jahren seien wieder frei.

In Zusammenhang mit den Festnahmen hatten WDR und Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, auf sichergestellten Handys zeigten Videos Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Der Polizeisprecher kommentierte das nicht.

Polizei ortet gestohlene Handys

Insgesamt habe die Landespolizei 19 Tatverdächtige ermittelt, sagte die Sprecherin weiter. 170 Anzeigen seien im Zusammenhang mit den Vorfällen der Silvesternacht eingegangen, etwa 120 davon hätten sexuelle Übergriffe zum Hintergrund.

Offenbar haben die Kölner Ermittler Fortschritte bei der Suche nach den gestohlenen Gegenständen gemacht, berichtet der Spiegel. Es seien mehrere der in der Silvesternacht gestohlenen Handys geortet worden. In manchen Fällen habe deren Spur in Flüchtlingsheime oder deren unmittelbares Umfeld geführt.