Eingeschlagene Fensterscheiben, ein verwüsteter Dönerimbiss, brennende Mülltonnen und Autos, ein Haus, das zum Teil in Flammen steht: Das sind die Bilder, die am Morgen danach das Bild von Connewitz prägen. Rund 200 vermummte rechtsextreme Hooligans hatten am Montagabend in dem Leipziger Stadtteil randaliert. Die Polizei nahm 211 Rechtsextreme vorübergehend in Gewahrsam. Gegen die Randalierer wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt registrierte die Polizei 57 Verstöße gegen das Versammlungs-, Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz.

Seit den 1990er Jahren ist Leipzig-Connewitz von Linksautonomen geprägt. Im Dezember vergangenen Jahres hatte es wegen eines Neonazi-Aufmarsches Ausschreitungen und Verwüstungen im Süden der Stadt gegeben, damals von linksradikaler Seite.

Anlass für die jetzigen Krawalle war ein "Ida"-Jahrestag: Am Montag war es ein Jahr her, dass sich das rechtspopulistische Legida-Bündnis zum ersten Mal in der Stadt versammelt hat. Wegen des "Jubiläums" verzichtete Pegida auf den Marsch in Dresden. Der Demagoge Lutz Bachmann fuhr dafür mit knapp 2.000 seiner Anhänger nach Leipzig. Auch der Chemnitzer Ableger Cegida hatte seine Anhänger zur Teilnahme an der Leipziger Demonstration aufgerufen.

Daher waren in Leipzig wesentlich mehr Menschen auf den Straßen als in den vergangenen Wochen. Nach Angaben der Studentengruppe Durchgezählt von der Universität Leipzig nahmen 2.500 bis 3.400 Menschen an der Kundgebung der fremdenfeindlichen Legida teil. Auf den verschiedenen Gegenveranstaltungen waren es 4.700 bis 5.600. Zuletzt hatte das Legida-Bündnis nur noch wenige Hundert Menschen auf die Straße gebracht. Die Zahl der Gegendemonstranten war immer höher, doch sie schrumpfte mit.

Nun aber war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz. Am Richard-Wagner-Platz nahe dem Leipziger Hauptbahnhof trennte sie Legida- und Gegendemonstranten erfolgreich: Zwei lange Reihen von Einsatzfahrzeugen hielten die Protestierer auf ihrer jeweiligen Seite zurück. Dazwischen lag ein Korridor von nur 50 Metern. Trillerpfeifen und Trommeln gab es auf der einen, Deutschlandflaggen auf der anderen Seite.

Neonazi-Bündnisse und linksradikale Gruppen

Die Polizei hatte sich Verstärkung aus anderen Bundesländern geholt: Wasserwerfer, Räumfahrzeuge und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Die Beamten schienen auf alles vorbereitet zu sein. In jeder Seitenstraße, an jeder Bahnhofsecke waren sie präsent. Es gab allen Grund, vorsichtig zu sein. Verschiedene Neonazi-Bündnisse sowie linksradikale Gruppen hatten zur Teilnahme und auch zu Gewalt aufgerufen.

Der Einsatz sei von vornherein in dieser Größenordnung geplant gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln seien nicht Grund dafür gewesen. Dort war Pegida bereits am vergangenen Wochenende auf die Straße gegangen. Die Demonstration wurde von der Polizei aufgelöst.

Bei der Legida-Veranstaltung hingegen spielte Köln eine große Rolle. Es war der erste Montag, nachdem das Ausmaß der Übergriffe in der Silvesternacht klar geworden war. Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling überschlug sich mit Vorwürfen gegenüber der Bundesregierung und erklärte Köln als Wendepunkt: "Die Silvesternacht hat alles verändert, in Deutschland, in Europa."