Die regierungskritischen Akademiker bezeichnete Staatspräsident Erdoğan als "barbarisch und niederträchtig". © Kayhan Ozer/Presidential Palace Press Office/Reuters

Nach der Unterzeichnung einer Petition, die das Vorgehen der türkischen Regierung in den Kurdengebieten kritisiert, sind 14 Akademiker festgenommen worden. Außerdem werde nach weiteren sieben Wissenschaftlern der Universität in Kocaeli östlich von Istanbul gefahndet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Staatsanwaltschaft werfe ihnen unter anderem "Propaganda für eine Terrororganisation" vor. Damit ist die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK gemeint, gegen die die türkische Armee seit einem Monat vorgeht. 

Der Sender CNN Türk berichtete, in der Stadt Bolu im Norden der Türkei habe die Polizei die Wohnungen von drei Unterzeichnern der Petition durchsucht und Computer beschlagnahmt. Auch in der südtürkischen Stadt Mersin werde gegen 20 weitere Unterstützer des Aufrufs ermittelt, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Die Internetseite der "Akademiker für Frieden", wie sich die Wissenschaftler selbst nennen, ist mittlerweile nicht mehr aufrufbar.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Justiz und die Universitäten dazu aufgerufen, gegen die Unterzeichner der Petition vorzugehen. Er wirft ihnen vor, sich an die Seite der PKK gestellt zu haben und "Verrat" zu begehen. Die Akademiker selbst nannte er "barbarisch und niederträchtig". 

"Ungesetzlich und äußerst gefährlich"

Am Montag hatten mehr als 1.000 Akademiker – darunter auch der US-Amerikaner Noam Chomsky –  einen Aufruf unterzeichnet, in dem der islamisch-konservativen Regierung eine "Vernichtungs- und Vertreibungspolitik" im kurdisch geprägten Südosten der Türkei vorgeworfen wird. Die Unterzeichner forderten die Wiederaufnahme des Friedensprozesses mit den Kurden. Staatspräsident Erdoğan hatte die Intellektuellen daraufhin als "Bande, die sich selbst Akademiker nennt", bezeichnet. 

Der US-Botschafter in der Türkei John Bass äußerte sich besorgt über das Vorgehen der Regierung. In Demokratien müssten Bürger auch kontroverse Meinungen vertreten können. "Regierungskritik ist nicht das gleiche wie Verrat", teilte die US-Botschaft mit. Die größte Oppositionspartei CHP nannte das Vorgehen gegen die Akademiker "ungesetzlich, nicht hinnehmbar und äußerst gefährlich". Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP forderte die sofortige Freilassung der Festgenommenen.

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im Juli 2015 ist die Gewalt zwischen beiden Seiten wieder aufgeflammt. Hunderte Menschen wurden getötet, in mehreren Städten in den Kurdengebieten hat die Regierung Ausgangssperren verhängt.