An den Tag der Trennung erinnere ich mich, als sei es gestern gewesen. Es war ein warmer Sonntag, ein Freund und ich hatten am Nachmittag Fußball geschaut, für den Abend war ich mit Anna verabredet. Wir lebten und studierten in Baden-Württemberg. Ich war Mitte 20 und studierte Architektur, seit anderthalb Jahren waren wir zusammen.

Sie hatte Tränen in den Augen, als sie sagte, dass es vorbei ist. Sie sagte, sie wolle im Moment keinen Freund, sie wolle uneingeschränkt tun und lassen können, was sie für richtig hält. Ich realisierte nicht, was da passiert war, hielt es für einen Scherz.

Ich setzte mich in das Auto, fuhr an einen abgelegenen Ort und heulte und heulte und heulte. Eine Welt brach für mich zusammen.

Ich vertraute mich meinem jüngeren Bruder an. Am Handy sagte er trocken zu mir, ich solle "keinen Scheiß bauen" und nach Hause kommen. Ich schrieb Anna am selben Abend gefühlt zehntausend Nachrichten über WhatsApp und bat sie, es sich nochmal zu überlegen. Eine Zeitlang antwortete sie mir noch, bis sie dann schließlich ihr Handy ausschaltete.

Ich konnte die ganze Nacht lang nicht schlafen und starrte ständig auf unseren WhatsApp-Verlauf. WhatsApp zeigt an, ob ein Gesprächspartner online ist oder nicht, also wartete ich, dass Anna ihr Handy wieder einschalten würde, um wieder mit ihr schreiben zu können.

"Eine SMS veränderte mich komplett"

Ich redete mir ein, das mit Anna würde schon wieder werden, ich musste nur genug um sie kämpfen. Ich müllte sie auf WhatsApp mit Nachrichten voll, bis sie mir irgendwann nicht mehr antwortete. Das traf mich sehr.

Etwa zwei Wochen nach unserer Trennung trafen wir uns und unterhielten uns noch mal über alles. Wir küssten uns, doch dann rannte sie plötzlich davon und sagte, dass das alles ein Fehler sei.

Daraufhin sahen wir uns ein paar Wochen lang nicht, bis wir uns auf einer Studentenparty wieder begegneten. Ich war bereits alkoholisiert und machte mit einem anderen Mädchen rum, als ich sie plötzlich entdeckte. Ich lief ihr nach, doch sie versteckte sich auf dem Mädchen-Klo. Irgendwann wurde der Türsteher auf mich aufmerksam, Annas Begleitung hatte mich ihm gemeldet. Er verwies mich der Diskothek.

Einige Monate hatten wir kaum Kontakt, sie blockierte mich sowohl bei WhatsApp als auch bei Facebook. Eines Tages erhielt ich eine SMS, die mich komplett veränderte: Anna schrieb, sie habe einen neuen Freund. Zuerst dachte ich, sie schreibt mir das nur, damit ich endlich aufhöre, um sie zu kämpfen.

Nach ein paar Wochen speicherte ich ihre Nummer jedoch auf dem Handy eines Freundes ein, um mir Annas WhatsApp-Profil darauf ansehen zu können. Ein Schock: Ihr Profilbild zeigte sie zusammen mit einem mir unbekannten Typen. Das war zweifelsohne ihr Freund. Ich war am Boden zerstört.

"Ich versuchte das zu akzeptieren"

Einige Wochen später traf ich sie auf einer Party wieder, sie arbeitete hinter der Bar. Ich hatte mal wieder getrunken und wurde sehr aufdringlich. Ich stand die ganze Zeit über an der Bar, beobachtete sie und versuchte mit ihr zu reden, vergeblich. Als meine Kumpel gehen wollten, sagte ich ihnen, ich würde noch ein bisschen bleiben und mit dem Taxi nach Hause fahren.

Kurz darauf verließ ich die Party, aber nicht um nach Hause zu fahren, sondern um Annas Auto zu suchen. Nach einer Weile fand ich es und wartete in der Eiseskälte circa anderthalb Stunden auf sie. Als Anna dann endlich kam, ich war in der Zwischenzeit fast erfroren, bekam sie Angst vor mir. Sie stieg in ihr Auto und fuhr fort. Einige Minuten später schrieb sie mir per SMS: Ich solle sie doch endlich in Ruhe lassen und aufhören, um sie zu kämpfen.

Ich versuchte das zu akzeptieren und schrieb ihr nur noch vereinzelte SMS, doch eine Antworte erhielt ich nie.

In den Semesterferien war ich oft bei einem Kumpel daheim, der etwa fünf Kilometer vor Annas Wohnort wohnte. Ich blieb bis spät in der Nacht und fuhr auf dem Rückweg nach Hause an ihrem Elternhaus vorbei. Ich wollte sehen, ob ihr Auto vor dem Haus steht. Sie hatte während unserer Beziehung immer davon gesprochen, dass sie eines Tages in die große, weite Welt ziehen will. Also prüfte ich, ob sie noch bei ihren Eltern war. Sie wohnt bis heute dort.