Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und die öffentliche Diskussion über mögliche Gründe und Folgen werden auch in den USA wahrgenommen und kommentiert. Im Fokus der Berichterstattung stehen dabei die Politik der Kanzlerin und der Stimmungswandel in Deutschland.

Unter dem Titel "Deutschland auf der Kippe" beschreibt Ross Douthat von der New York Times die Schwierigkeiten, denen sich Deutschland gegenübersieht: Eine Million Menschen, die meisten darunter junge Männer, das sei für eine Gesellschaft nur schwer zu verkraften. "Wenn Sie glauben, dass eine alternde, säkulare und weitgehend homogene Gesellschaft eine Zuwanderung von solcher Größe und mit einem solchen Ausmaß an kulturellen Unterschieden friedlich auffängt, dann haben Sie eine große Zukunft als Sprecher der derzeitigen deutschen Regierung", spricht Douthat die Leser an – "und Sie sind außerdem ein Narr".

Um mehr gewalttätige Ausschreitungen zu vermeiden, müsse Deutschland einlenken, schreibt Douthat: "Das bedeutet, dass Angela Merkel gehen muss – damit ihr Land und der Kontinent, der es trägt, vermeiden kann, einen zu hohen Preis zu zahlen für ihren wohlmeinenden Wahnsinn."

Die Los Angeles Times beschreibt in ihrer Analyse den Stimmungswandel in der deutschen Gesellschaft, ausgelöst durch die Gewalt in der Silvesternacht. "Nur Monate, nachdem die Menschen an den Bahnhöfen jubelnd jene empfangen haben, die es nach Deutschland geschafft haben", würden nun die Rufe nach Grenzschließungen und der Ausweisung straffälliger Asylbewerber immer lauter. 

Die Huffington Post sieht nach den Vorfällen in Köln die deutsche Parteienlandschaft vor gravierenden Veränderungen. Die Attacken der Silvesternacht drohten demnach, das Vertrauen der Bevölkerung in Angela Merkel weiter zu erschüttern, und könnten außerdem die Unterstützung für die rechtspopulistische AfD befeuern. "Merkels Beliebtheit schwindet, seitdem sie sich geweigert hat, eine Obergrenze für Flüchtlinge festzusetzen."

Im Magazin New Yorker zitiert die Autorin Amy Davidson Angela Merkel mit den Worten "Wir können das schaffen, und wir schaffen das". Als Teil dieses Schaffens sieht sie allerdings vor allem die Strafverfolgung und Verurteilung jedes Einzelnen, der sich an den Übergriffen in Köln beteiligt hat.

"Wichtigste Anführerin in Europa"

Es gibt jedoch auch optimistischere Stimmen. Die New York Times selbst vertritt in ihrem gestrigen Editorial eine andere Meinung als ihr Kolumnist Ross Douthat. Zwar sei die Flüchtlingspolitik Europas kritisch zu beurteilen, die Linie der Bundeskanzlerin sei aber lobenswert. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen plädiert die Times für "legale Wege der Einwanderung". Die Neujahrsansprache von Angela Merkel sei eine Rede gewesen, die ganz Europa beherzigen sollte. 

In der Washington Post wies Autor Michael Gerson auf die enorme Aufgabe hin, vor der Deutschland in der Flüchtlingsfrage im Moment stehe. Etwa 2.000 Menschen hätten den Kreis Dachau in Bayern erreicht, die USA insgesamt haben demnach dagegen in den vergangenen beiden Jahren nur 2.000 Flüchtlinge aufgenommen. In seinem Beitrag bezeichnet Gerson Kanzlerin Merkel als die "wichtigste Anführerin in Europa".