Menschen warten vor dem Berghain und hoffen auf Einlass. Der Berliner Club ist bekannt für seine harte Türpolitik. © Stefan Hoederath/Getty Images)

Irgendwann merkte Momo Nizar, dass es an seinem schwarzen Bart liegt, seinem Teint. Er war 18, ein anständiger Junge, wie er sich selbst nennt, machte Abitur und keinen Ärger. Das wollte er mit seinen Freunden im Berliner Nachtleben feiern. Aber statt im Rausch, sagt Nizar, endete der Abend in einer Erkenntnis: "Es zählt nur, ob du blonde Haare hast." Sechs Diskotheken, sechs Türen, sechs Mal: "Sorry, heute nicht."

Heute ist Momo Nizar 27 Jahre alt. Er lebt in Berlin, der Stadt, in der er geboren wurde und aufgewachsen ist. Feiern geht er nur noch, wenn er den Türsteher oder Veranstalter kennt. Nie spontan. Der Aufwand lohne nicht, sagt er. Zu hoch sei die Wahrscheinlichkeit, dass er und seine Freunden abgewiesen werden. Wie er sind sie Deutsche, aber ihre Eltern oder Großeltern kommen aus der Türkei oder aus dem Iran. Nizars Eltern kommen aus Tunesien. Deswegen, sagt er, kamen sie damals nirgendwo rein, genauso wenig wie heute: "Die Türsteher denken sich, das ist wieder nur irgend so ein Achmed, der am Ende noch jemanden absticht."

"Irgend so ein Achmed", damit beschreibt Nizar die Schublade, in die er gesteckt wird. Die Türsteher sähen seinen dunklen Teint und würden daraus schließen: zu viel Temperament, zu viel Aggressionspotenzial. Ist Berlins Türpolitik rassistisch? "Auf jeden Fall", sagt Nizar. Und setzt, als ob keine Zweifel aufkommen sollen, hinzu: "hundertprozentig."

Vor eineinhalb Wochen ist ein Freiburger Club wegen einer öffentlich gewordenen Mail in die bundesweite Aufmerksamkeit geraten: Demnach hätten Besitzer des White Rabbit entschieden, Flüchtlinge, die sich nicht mit einem Aufenthaltstitel ausweisen können, pauschal abzuweisen. Das wären alle, deren Asylverfahren noch läuft; sie bekommen nur eine sogenannte Aufenthaltsgestattung. Die Geflüchteten sollen vermehrt sexuell übergriffig geworden sein und Taschendiebstähle begangen haben. In einem späteren Facebook-Post distanzierte sich der Club von der Forderung und stellte klar, dass sie nie umgesetzt worden sei. Es habe sich um einen internen Hilferuf gehandelt.

Dennoch, die Debatte wirft ein Schlaglicht auf einen alten Vorwurf: dass Menschen, vor allem Männer, die nicht typisch deutsch aussehen, ein größeres Problem haben, in Clubs zu kommen. Auch in Berlin, der Stadt, in der es die härteste Türpolitik Deutschlands geben soll.

"An der Clubtür wird geschaut: Passt das Publikum? Das hängt nicht vom kulturellen Hintergrund ab", sagt Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission Berlin. Der Verein vertritt viele Clubs der Stadt: vom Rockclub Sage über den Techno-Laden ://about blank bis zum Matrix Club an der Warschauer Straße. Fast überall haben sie das gleiche Problem: Es wollen an vielen Abenden mehr Menschen in die Clubs als hineinpassen. Eine Auswahl an der Tür sei daher nicht zu umgehen, sagt Leichsenring, und: "Das Ganze kann nicht wirklich demokratisch ablaufen."

Die Türsteher müssten innerhalb von Sekunden eine Entscheidung treffen: Wer aussehe, als ob er nur Frauen anbaggern oder sich betrinken wolle, komme nicht rein. "Dann ist Ärger vorprogrammiert", sagt Leichsenring. Wie man das erkennt? Gruppengröße, Grad der Betrunkenheit, Erfahrungswerte. "Das sollte nicht diskriminierend verstanden werden." Ein Beispiel: "Wenn gegenüber von einem Club ein Flüchtlingsheim aufmacht und alle geschlossen rüberkommen, kann es schon passieren, dass sie abgelehnt werden. Das liegt dann aber nicht daran, dass sie Flüchtlinge sind. Schweden würden genauso abgelehnt werden."