Deutschland braucht mehr Feministen! Ja, Männer, die für Frauenrechte kämpfen. Nach den Übergriffen in Köln gab es zwar viele, die das für sich reklamierten. Doch dahinter steckten oft ganz eigene politische Ziele: Schnellere Abschiebungen von straffällig gewordenen Flüchtlingen durchsetzen etwa, oder es diente sogar als Legitimation für rechte Gewalt.

Dabei gibt es gute Gründe, als Mann ein Feminist zu sein und sich auch so zu bezeichnen. Wer möchte nicht in einer ausgeglicheneren Beziehung leben, ein besseres höheres Selbstwertgefühl und besseren Sex haben? Nicht nur amerikanische Soziologen, auch norwegische Forscher attestieren Männern in gerechteren Gesellschaften eine rundum höhere Lebensqualität: Eine Studie aus Norwegen widerlegt das beliebte Vorurteil, Frauen würden mehr Freiheiten nur durch Einbußen der Männer erreichen. Tatsächlich aber profitieren beide Geschlechter von mehr Gleichberechtigung.

Die Vorteile beschränken sich nicht nur auf Individuen, sondern wirken sich auf ganze Gesellschaften aus: Länder mit einem gerechteren Geschlechterverhältnis sind ökonomisch erfolgreicher, sozial balancierter und kulturell innovativer. Oder andersherum: Wer eine Gesellschaft insgesamt verbessern, die Wirtschaft stärken und Politik zukunftssicher machen will, der tut gut daran, bei Geschlechtergerechtigkeit zu beginnen – so legt es ein Bericht der Weltbank nahe.

Doch Männer sollten nicht nur Feministen sein, weil sie selbst Vorteile davon haben. Ein echter Feminist glaubt daran, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind und gleich viel zu sagen haben. Er schätzt vollkommene Gleichberechtigung und möchte eine Gesellschaft, in der weder Männer noch Frauen ein Übergewicht an Einfluss, Macht oder Deutungshoheit genießen. Nicht aus eigenem Vorteil, sondern ganz einfach, weil es gerecht ist.

Sie wollen loslegen, wissen aber nicht, wie? Mit diesen fünf Schritten ist es ganz einfach:

1.    Informieren Sie sich. Theoretisches Wissen ist gut, praktisches noch viel besser. Wo könnte man das besser finden, als im Gespräch mit Frauen? Fragen Sie nach, welche Erfahrungen Frauen in Ihrem Bekanntenkreis mit Sexismus, Diskriminierung oder sogar Gewalt gemacht haben. Oftmals werden Sie überrascht sein, was Sie hören. Haarsträubendste Geschichten sind alltäglicher, als viele Männer glauben. Schauen Sie sich Statistiken zum Thema Gleichberechtigung an. Sie brauchen dafür keine Bände zu lesen, eine kurze Onlinesuche reicht, z.B. zu den Themen Gender Gap, Gewalt gegen Frauen oder Männer, die sich für Frauen einsetzen

2.    Schritt zwei erfolgt dann meist von selbst, denn Ihr neues Wissen führt zu gesteigerter Sensibilität gegenüber Sexismus. Sie werden sehen, plötzlich fällt es Ihnen als besonders merkwürdig auf, dass es in Werbung, in Medien und in Filmen immer wieder Frauen sind, die als Sexobjekte herhalten müssen. Warum sitzen in den meisten Talkshows oder bei Podiumsdiskussionen mehr Männer als Frauen? Wo sind eigentlich die Männer, die sich leicht bekleidet auf Neuwagen rekeln, um deren Attraktivität zu erhöhen? Und weshalb geht sexuelle Gewalt fast ausschließlich von Männern aus? Wenn Sie sich ganz automatisch diese Fragen stellen, sind die Grundlagen für Sie als Feminist gelegt.

3.    Jetzt ist es Zeit, Ihre eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. Zuerst in Ihrem privaten, ganz alltäglichen Leben. Beispiel: sexistische Witze. Und auch wenn es banal klingt, so ist es doch immer noch nicht Selbstverständlichkeit: Als Feminist behandeln Sie eine Ärztin, Kassiererin, Anwältin oder Polizistin genauso wie ihre männlichen Kollegen – mit Respekt. Werfen Sie also ein paar alte Gewohnheiten über Bord. Gleichzeitig können Sie die Vorzüge der Gleichberechtigung erleben. Freuen Sie sich darüber, dass Sie bei der Arbeit und zu Hause auf Frauen als gleichwertige Gesprächspartnerinnen, Beraterinnen und Freundinnen treffen. Das erweitert Ihren Horizont und führt zu einer neuen Qualität in Beziehungen und Freundschaften.

4.    Nun geht es an Ihr Umfeld. Werden Sie aktiv. Sexistische Kommentare und Übergriffe sind in Deutschland Alltag für Frauen. Als Feminist schreiten Sie ein, wenn Sie etwas mitbekommen: Fragen Sie die betroffene Frau, ob Sie Unterstützung möchte. Ob es sich um sexistische Kommentare unter Freunden handelt, ein Übergehen einer Frau bei anstehender Beförderung oder sexuelle Gewalt: Wegschauen ist für Sie nicht mehr drin.

5.    Der letzte Schritt ist der größte und schwierigste. Haben Sie die ersten vier gut im Griff, können Sie sich mit Recht Feminist nennen. Wollen Sie aber noch einen draufsetzen, so ist es hier Zeit, gesellschaftlich und organisiert aktiv zu werden. Unterstützen Sie globale Kampagnen gegen Sexismus und ermutigen Ihre Freunde, es Ihnen gleich zu tun. HeForShe ist hier erste Anlaufstation. Auch in Deutschland gibt es verschiedene Initiativen, so z.B. StopBildSexism oder PinkStinks, die sich immer über neue Mitstreiter freuen. Nicht jede Organisation ist für jeden, aber wer sucht, findet, was zu einem passt. Am Ende ist es der öffentliche Einsatz, der Frauen am meisten hilft und andere Männer motiviert, es Ihnen gleich zu tun, wenn sie sehen: Feministen sind cool.

Wollen wir Gewalt an Frauen in Zukunft wirklich verhindern und in einer Gesellschaft leben, die ihre Potenziale voll ausschöpft und in denen es allen gutgeht, gibt es nichts Besseres, als Feminist zu werden. Schließen Sie sich uns an und leben Sie die Gleichberechtigung! Sie werden sehen, es lohnt sich.