Das Oberlandesgericht München hat eine Klage von Eltern auf Unterhalt für ihr behindertes Kind abgewiesen. Das Paar hatte von Frauenärzten Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangt, weil sie das Down-Syndrom und einen Herzfehler in der Schwangerschaft nicht erkannt hatten. Den Medizinern sei aber kein Vorwurf zu machen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Steiner. Die Eltern hatten in zweiter Instanz von den Ärzten Unterhalt für den Mehraufwand für die behinderte Tochter verlangt sowie mindestens 10.000 Euro Schmerzensgeld.

"Es tut mir leid für Sie", sagte Richter Steiner, an die Eltern gewandt. Er verstehe gut, dass sie von der Behinderung hätten wissen wollen. Es gehe um ein schweres Schicksal. Steiner machte aber auch klar, dass die Eltern keine Chance vor Gericht hätten: "Sie werden bei uns nicht gewinnen, so wenig wie vor dem Landgericht."

Der Sachverständige Rainer Bald hatte vor Gericht dargelegt, dass das im Ultraschall vor der Geburt sichtbare, womöglich geringfügig verkürzte Nasenbein kein signifikanter Hinweis auf eine Trisomie 21 gewesen sei. Es sei daher gerechtfertigt gewesen, dass der untersuchende Arzt dies gar nicht mit der werdenden Mutter besprochen habe. Das Detail hätte die Frau nur unnötig beunruhigt. Weitere Parameter wie die Länge des Oberschenkelknochens hätten keinerlei Auffälligkeiten ergeben. Ähnlich sei die Beweislage bezüglich des Herzfehlers des Mädchens gewesen.

Die Eltern, die bereits drei Kinder haben, argumentierten, sie hätten die Schwangerschaft abbrechen lassen, wenn sie von der Behinderung gewusst hätten. Die damals 28 Jahre alte Frau war 2009 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Als sie 2010 wieder schwanger war, wollte sie mit den Ärzten mögliche Risiken für das Ungeborene durch die Medikamente abklären, die sie wegen ihrer MS-Erkrankung nehmen musste. Ein behindertes Kind schien die Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten, sagen sie heute – auch wenn Jasmine, wie das Mädchen heißt, heute ein fester Teil der Familie sei.

Das Landgericht München hatte die Klage der Frau in erster Instanz im vergangenen Sommer abgewiesen. Die Behinderungen des Mädchens seien durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht erkannt worden. Gegen das Urteil hat das Paar Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht ließ eine Revision nicht zu. Ob die Eltern Nichtzulassungsbeschwerde einlegen, ist nach Angaben ihrer Anwältin noch offen.