Im Prozess um jahrelangen organisierten Missbrauch junger Frauen und Mädchen im nordenglischen Rotherham hat ein Gericht am Freitag drei Brüder und deren Onkel zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Die drei Brüder waren am Mittwoch der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs von 15 Opfern – eines davon erst elf Jahre alt – für schuldig befunden worden. Der als Bandenchef angesehene Angeklagte erhielt eine 35-jährige Haftstrafe. Zwei weitere Komplizinnen wurden zu 13 Jahren, beziehungsweise 18 Monaten auf Bewährung, verurteilt.

Die Gruppe habe Leid von "unvorstellbarem Ausmaß" über ihre Opfer gebracht, sagte die Richterin. Die Geschworenen hatten die Brüder zwei Tage zuvor unter anderem der Vergewaltigung und Misshandlung mehrerer Mädchen, teils über Jahre hinweg, für schuldig befunden.

Es ist das erste Gerichtsurteil in dem Skandal um die Taten in der nordenglischen Stadt, der im Sommer 2014 international Schlagzeilen gemacht hatte. Die Verbrechen erstreckten sich den Ermittlungen zufolge auf die Zeit von 1987 und 2003. Die Staatsanwaltschaft erklärte während des Prozesses, zwölf Mädchen seien wiederholt vergewaltigt, geschlagen, zwischen den Peinigern ausgetauscht und zur Prostitution mit anderen Männern gezwungen worden.

Laut einem amtlichen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2014 wurden in Rotherham mindestens 1.400 Kinder über den Zeitraum von 16 Jahren hinweg sexuell missbraucht. Etwa ein Drittel von ihnen war den Behörden bekannt, die für ihren Schutz zuständig waren. Dem Bericht zufolge hatten sich einige Missbrauchsopfer trotz Drohungen ihrer Peiniger an die Polizei gewandt und diese als "Asiaten" beschrieben. "Aus der Furcht heraus, als Rassisten abgestempelt zu werden", seien die Ordnungskräfte diesen Hinweisen auf die ethnische Herkunft der Täter jedoch nicht oder nur zögerlich nachgegangen. Stattdessen sei den teils schon bei den Jugendschutzbehörden bekannten Geschädigten mit Geringschätzung begegnet worden.

Gegen 26 Polizeibeamte der Grafschaft South Yorkshire – eine alte Bergbauregion, in der Rotherham liegt – sind wegen der Vorfälle polizeiinterne Untersuchungen im Gange. Dabei geht es um Vorwürfe mangelnder Ermittlungen sowie der Korruption.