Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Vorfälle in Clausnitz und Bautzen scharf verurteilt. "Es ist völlig inakzeptabel, wenn Menschen, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, mit Hass und Hetze begrüßt werden. Ich gehe davon aus, dass die Behörden die genauen Umstände rasch weiter aufklären."

In Deutschland dürfe jeder seine Ängste und Sorgen äußern, erklärte de Maizière. "Aber es gibt eine Schwelle des Anstands und des Rechts, die nicht überschritten werden darf – und bei den Geschehnissen in Sachsen wurde diese Schwelle deutlich überschritten." Gewalt zur Verfolgung politischer Interessen in Deutschland sei keine Lösung. 

Am Donnerstagabend hatten etwa Hundert Menschen im sächsischen Clausnitz einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert und "Wir sind das Volk" gerufen. Ein Video zeigt, wie ein Polizist einen jungen Flüchtling aus dem Bus zerrt. Der Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann verteidigte dieses Vorgehen. Bei drei Flüchtlingen sei zu ihrer eigenen Sicherheit Zwang nötig gewesen.

In Bautzen brannte in der Nacht zum Sonntag eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Anwohner und Schaulustige zeigten zum Teil "unverhohlene Freude" und kommentierten den Brand mit "abfälligen Bemerkungen". Die sächsischen Behörden gehen derzeit davon aus, dass das Feuer durch vorsätzliche Brandstiftung ausgelöst worden ist.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die jüngsten Pöbeleien gegen Flüchtlinge. Ein solches Verhalten sei "abscheulich und widerlich", sagte er.

Die Ereignisse in Sachsen beschäftigen demnächst wohl auch den Deutschen Bundestag. Die Grünen-Fraktion will eine Aktuelle Stunde im Plenum zu dem Thema beantragen. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Monika Lazar sagte der Zeitung Die Welt, sächsische Landesregierungen hätten seit den neunziger Jahren die Lage dramatisch unterschätzt. Deshalb "konnte die Saat von Pegida aufgehen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), prangerte nicht nur das Verhalten pöbelnder Bürger an, sondern auch den Umgang der Polizei mit den Flüchtlingen. "Das Verhalten der Polizei in Clausnitz ist zutiefst erschütternd", erklärte sie. "Ein Mob brüllt ausländerfeindliche Parolen und verhindert die Fahrt eines Busses mit Flüchtlingen zur Unterkunft, und die Polizei kündigt Ermittlungen gegen Flüchtlinge im Bus an." Zum wiederholten Mal könne die sächsische Polizei kein überzeugendes Bild eines Rechtsstaats liefern.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, sagte der Welt, Sachsen müsse aufpassen, dass es sich in Sachen Rechtsextremismus nicht zu einer Art failed state, einem gescheiterten Staat entwickele.