Der Wedding war schon immer laut. © Hannibal/dpa

Die nächtlichen Explosionsgeräusche im Bereich Bornholmer Brücke/Gesundbrunnen liefern nun sogar landesweite Schlagzeilen. "Der Wedding hat einen Knall", konstatiert Spiegel Online und zitiert eine Hotelmitarbeiterin, die den Lärm mit der Sprengung einer Telefonzelle vergleicht. Der Wedding-Blog als Wahrheitsfindungsinstanz von und für Einheimische hat sich seine eigenen Gedanken zu dem Aufregerthema gemacht. Herausgekommen sind folgende fünf Thesen zum großen Wumms.

1. Die Abschnitt-36-Theorie

Wie wir wissen, sind die Ordnungshüter im Bereich Berlin-Wedding besonderen Gefahrenmomenten ausgesetzt. Auch wenn sich die Fronten zwischen Straßengangs und Uniformierten in den letzten Jahren etwas aufgeweicht haben, ist die Polizei im ehemaligen Problembezirk immer noch auf der Hut und bekämpft die Kriminellen mittlerweile sogar mit deren eigenen Waffen. Im November tauchte ein Rap-Video der Beamten von Abschnitt 36 auf, in dem sie ihre "Hood" mit Battle-Rhymes und Bierbass-Chorus besingen. 

Da liegt die Vermutung nur nahe, dass die Boygroup mit den Schulterklappen bereits an der Fortsetzung ihres YouTube-Knallers Wild, wild Wedding arbeitet. Klar, dass bei den Proben in den dienstfreien Stunden nach Mitternacht auch hin und wieder die Beatbox mächtig übersteuert. Mit den bekannten Folgen für die Anrainer.

Wahrscheinlichkeit der Theorie: 36 Prozent

2. Die Brüder-Boateng-Theorie

Sie sind zweifellos die bekanntesten Weddinger: die Halbbrüder George, Kevin-Prince und Jérôme Boateng. Zwei der drei haben es zu internationalem Ruhm in der großen, weiten Fußballwelt gebracht. Immer wieder aber kehrt das Trio zu den Wurzeln seines Werdegangs zurück. In ihre alte Heimat, den Fußballkäfig an der Panke.

Um dem zu erwartenden Riesenrummel zu entgehen, der entstünde, würden sie bei Tageslicht im alten Kiez ihre Tricks zeigen, schnüren die drei Boatengs stets erst im Schutz der Dunkelheit die Töppen. Und wer schon mal in einem Berliner Käfig gespielt hat, weiß, was das Leder für einen Krach machen kann, wenn es gegen die Gitterstäbe prallt – gerade wenn Profis am Werk sind …

Wahrscheinlichkeit der Theorie: 3:1

3. Die Blindgänger-Theorie

Von Mitte Dezember bis in die ersten Januar-Tage hinein gleicht die Geräuschkulisse im Wedding der eines mittelschweren Kriegsgebiets. Seit der Öffnung nach Polen sind auch der Lautstärke der jährlichen Silvesterknallerei keine Grenzen mehr gesetzt. Wer nicht mindestens 200 selbst aufgemischte Böller mit sich führt, wird bei Freunden und Kollegen ruckzuck als "Opfer" eingestuft und gerät entsprechend ins Fadenkreuz ihrer Leuchtspurpistolen. Am Abend des 31. Dezember gilt dann offiziell das Motto "Feuer frei aus allen Rohren", es wird nun alles verschossen, was die eigenen Waffenkammern hergeben. Bei einem jährlich wiederkehrenden Flächenbombardement, das an dunklere Zeiten der Berliner Geschichte erinnert, ist es nur logisch, dass diverse Blindgänger im Untergrund liegen bleiben. Bis sie eines Tages … nun ja. Beziehungsweise: BUMM.

Wahrscheinlichkeit der Theorie: 175 Dezibel

4. Die Hallo-Herr-Nachbar-Theorie

Die größte Angst der Weddinger ist bekanntlich nicht, dass ihnen ein sogenannter Polen-Böller auf den Kopf fällt (Erfahrung härtet ab), sondern dass "die alle rüberkommen". Gemeint sind natürlich die Bewohner des benachbarten Prenzlauer Berg, hier oft liebevoll als durchsanierte "Prenzlwichser" bezeichnet. Dass die Macchiato-Säufer, Frozen-Yoghurt-Schlürfer und Gute-Laune-Papis und mit ihnen die Wuchermieten über die Behmstraßenbrücke kommen, gilt es mit aller Macht zu verhindern. Längst haben die Anwohner – unbemerkt von den Behörden – am Gleimtunnel und an den anderen Grenzübergängen eine gut ausgerüstete Bürgerwehr positioniert, die all die Schönen und Reichen der Stadt vom Übersiedeln abhalten soll – im äußersten Notfall mit Warnschüssen oder härteren Maßnahmen.

Wir gedenken der Opfer der Gentrifizierung mit einem mehrfachen KRAWUMM!

Wahrscheinlichkeit der Theorie: 1.200 Euro (netto kalt)

5. Die Urknall-Theorie

Schon seit einiger Zeit verdichten sich unter Wissenschaftlern die Gerüchte, dass der Erde ein weiterer Urknall bevorstehe, der das Leben in ganz neue Bahnen lenken würde. Nehmen wir den Wedding als anerkannten Mittelpunkt der westlichen Welt, als Ort, an dem sich Materie, Raum und Zeit auf bisher ungekannte Art verdichten ("Salat komplett, ohne scharf"), liegt es nur nahe, dass sich hier in den unteren Gesteinsschichten (Souterrain, halbe Treppe) bereits immer wieder kleinere Explosionen ereignen, die irgendwann zum nächsten Big Bang kulminieren werden. Überleben würden nur die Alkis vom Nettelbeckplatz (knallt eh schon nicht mehr), der Teilzeit-Weddinger Peer Steinbrück (war gerade in Hamburg) und die drei Brüder Boateng (härter als Beton).

Wahrscheinlichkeit der Theorie: Wenn, dann gut' Nacht.