Mit Steinen und Feuerwerkskörpern haben Kurden eine von Türken organisierte Demonstration in Aschaffenburg angegriffen. Etwa 30 Angreifer attackierten den Demonstrationszug, dem sich etwa 600 Menschen angeschlossen hatten. Als die Polizei dazwischenging, wurde ein Beamter von einem Böller am Kopf getroffen und leicht verletzt.  

Der Aufruf zu der Kundgebung unter dem Motto "Gemeinsam gegen den Terror, gegen PKK und Isis" war nach Polizeiangaben von nationalistischen türkischen Kreisen ausgegangen. Polizeisprecher Michael Zimmer wollte jedoch nicht bestätigen, dass die Demonstration von einem Mitglied der rechtsextremen türkischen Organisation Graue Wölfe angemeldet wurde: "Dazu kann ich im Detail nichts sagen."

Zu der Demonstration hatte auf Facebook auch die Gruppierung Osmanische Generation aufgerufen. Die Gruppe lud ebenso zu einer Demonstration in Duisburg ein, wo sich nach Recherchen des Regional-Blogs Ruhrbarone am Samstag etwa 400 türkische Nationalisten eingefunden hatten. Dort hätten Demonstranten Parolen der Grauen Wölfe gerufen und auch wiederholt deren Symbole gezeigt. Auch in Duisburg sei es daraufhin zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Kurden gekommen.

Hermann spricht von einer "Zumutung"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich empört über die gewaltsamen Auseinandersetzungen: "Wir wollen nicht, dass der türkisch-kurdische Konflikt auf deutschem Boden ausgetragen wird. Das ist einfach unerträglich und eine Zumutung für unser Land."

Die Ereignisse seien ein weiteres Argument gegen Visa-Erleichterungen für Bürger der Türkei. "Wir müssen schon genau hinschauen, wen wir da in unser Land lassen, wenn wir über Visaerleichterungen für die Türkei sprechen", sagte Herrmann. "Alle Türken inklusive Kurden nach Deutschland frei einreisen zu lassen ist keinesfalls vertretbar."

36 Festnahmen

Nach den Angriffen auf den Demonstrationszug in Aschaffenburg verbarrikadierten sich die Täter in einem Haus und bewarfen von einem Dach aus Polizisten ebenfalls mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Erst nachdem die Beamten Verstärkung angefordert hatten, gelang es ihnen am Abend, 36 Personen im Alter zwischen 15 und 40 Jahren in dem Haus vorläufig festzunehmen.

Bis in die frühen Morgenstunden war die Polizei mit "starken Kräften" in der Stadt, sagte ein Sprecher. Grund dafür seien Aufrufe von kurdischer Seite in sozialen Netzwerken gewesen, nach Aschaffenburg zu reisen. Weitere Zusammenstöße gab es in der Nacht zum Montag aber nicht.

Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz ein.