Papst Franziskus hält die christliche Messe am Gründonnerstag im Petersdom. © Stefano Rellandini/Reuters

Zu Beginn der Osterwoche hat Papst Franziskus in der Flüchtlingskrise ein Zeichen der Nächstenliebe gesetzt. In der Gründonnerstagsmesse wusch er zwölf Menschen in einer Asylbewerberunterkunft nahe Rom die Füße. Franziskus hatte dafür auch Muslime auswählen lassen. Sie kamen aus dem schon seit Jahren umkämpften Mali, aber auch Christen aus Nigeria waren dabei, wo die islamistische Miliz Boko Haram Teile des Landes terrorisiert.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche kniete am Vorabend des Karfreitags in der Kleinstadt Castelnuovo di Porto vor elf Asylbewerbern und einer Mitarbeiterin der Einrichtung nieder, wusch und küsste ihnen die Füße. Der 79-Jährige sprach von einer "brüderlichen" Geste im Angesicht von Krieg und Gewalt und verurteilte nochmals die Anschläge von Brüssel als "Geste des Krieges, der Zerstörung".

Ausgewählt waren für das Ritual vier Katholiken aus Nigeria, drei Koptinnen aus Eritrea, drei Muslime aus Mali, Pakistan und Syrien, ein Hindu aus Indien sowie eine italienische Mitarbeiterin der Unterkunft. "Für uns Moslems ist das, was hier geschieht, ein Symbol des Friedens", sagte der 37-jährige Sira Madigata über die Fußwaschung. Er betrachte den Papst als eine große Persönlichkeit. Das Ritual zeige, "dass ein Zusammenleben überall möglich ist". 

Franziskus erneuert Traditionen

In katholischen Gemeinden gehört die Fußwaschung zur Gründonnerstagsliturgie, seit Pius XII. sie 1955 als möglichen Bestandteil der Abendmahlsmesse festgeschrieben hatte. Die Tradition beruht auf der Überlieferung, der zufolge Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen zwölf Aposteln die Füße wusch. Sie steht für Demut, für gegenseitiges Dienen und Nächstenliebe. Dass auch vier Frauen zu der Zeremonie geladen waren, ist ein Novum und erst möglich, seit Franziskus auf dem Stuhl Petri sitzt. Seit Januar sind Frauen und Mädchen per Dekret zu der Zeremonie zugelassen.

Vieles hat der Argentinier in den drei Jahren seiner Amtszeit bereits revolutioniert, darunter auch die Formalien der Osterfeierlichkeiten. Während seine Vorgänger ausschließlich Priestern die Füße wuschen, wählt Franziskus für die Fußwaschung regelmäßig nicht nur Laien – darunter Kranke, Behinderte und Häftlinge – sondern auch Frauen.  

In den vergangenen Jahren hatte sich Franziskus für die Gründonnerstagsmessen zwei Gefängnisse und eine Einrichtung für Behinderte in Italien ausgesucht. Indem er bereits damals unter anderem Muslimen und Frauen die Füße wusch, brach der Argentinier mit althergebrachten Kirchentraditionen und brachte damit konservative Katholiken gegen sich auf.