Zuletzt sind deutlich weniger Migranten und Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Nach Angaben des griechischen Flüchtlingskrisenstabes haben in den vergangenen 24 Stunden nur 78 Menschen von der türkischen Küste aus zu den griechischen Ostägäis-Inseln übergesetzt. In den 24 Stunden davor seien 161 Menschen angekommen.

Der Krisenstab schätzte die Gesamtzahl der Migranten in Griechenland inzwischen auf rund 50.200. Mehr als 11.000 harren allein im Flüchtlingslager Idomeni aus, die Hälfte davon sind Kinder. Rund 600 Menschen sollen das Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze seitdem freiwillig verlassen haben, nachdem die griechische Regierung am Freitag mit der Evakuierung des Lagers begonnen hat.

Die Lage in dem Camp hatte sich vergangene Woche verschärft – zwei Flüchtlinge hatten sich selbst angezündet, Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen stellten aus Protest gegen die Bedingungen ihre Arbeit ein. Trotz der Lage sei jedoch keine Zwangsräumung geplant, hieß es aus Athen. Beobachter vor Ort fürchten im Falle der Räumung massive Proteste.

Rechtsextremisten protestieren gegen Flüchtlinge

Die Menschen aus Idomeni werden nun in Notunterkünfte im Landesinneren gebracht, zum Ärger fremdenfeindlicher Griechen. In der Stadt Veria legten am Freitagabend etwa hundert Rechtsextremisten abgehackte Schweineköpfe vor eine zur Unterkunft umfunktionierte Kaserne, als ein Bus mit rund 50 Flüchtlingen aus Idomeni ankam. Die Polizei griff ein, der Bus konnte anschließend ohne weitere Probleme auf das Gelände fahren.

In Idomeni verbreiteten Unbekannte derweil offenbar das Gerücht, eine Grenzöffnung stehe bevor und Deutschland werde Tausende Flüchtlinge aufnehmen. Ein Abgeordneter der regierenden Linkspartei Syriza widersprach den Gerüchten. Griechische Medien vermuten bereits seit Längerem, dass Aktivisten gezielt Gerüchte streuen um damit Aktionen wie Straßenblockaden auszulösen – in der Hoffnung, so internationale Aufmerksamkeit auf die Lage in Idomeni zu lenken.

Türkei nimmt Flüchtlinge aus Griechenland zurück

Die Türkei hält sich unterdessen an das bilaterale Abkommen mit Griechenland und nimmt abgeschobene Flüchtlinge auf. Griechenland schob nach Angaben des Bürgerschutzministeriums am Freitag insgesamt 71 Menschen ab, die irregulär eingereist waren. Demnach kamen 69 der Migranten aus Pakistan, zwei aus Bangladesch. Seit Jahresbeginn wurden damit nach Angaben der Behörde 766 Migranten in die Türkei ausgewiesen – 295 Menschen aus Pakistan, 33 aus Bangladesch, 268 aus Marokko, 144 aus Algerien und vier aus Tunesien. Grundlage ist ein bereits vor 14 Jahren unterzeichnetes bilaterales Rückführungsabkommen, das die beiden Länder in einem Abkommen bei ihrem jüngsten Treffen Anfang des Monats in Izmir erneuerten.

Bald sollen auch die ersten Rückführungen im Rahmen des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes beginnen. Die Übereinkunft sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal von der Türkei nach Griechenland übergesetzt sind, vom 4. April an zwangsweise zurückgebracht werden können. Vorher haben die Migranten jedoch das Recht auf eine Einzelfallprüfung in Griechenland.

Asylexperten werden bald erwartet

In Griechenland warten die Behörden weiterhin auf dringend benötigte Asylexperten, Übersetzer und Sicherheitsleute, die von den EU-Staaten und der EU bereitgestellt werden sollen. Bis jetzt sind erst sehr wenige der rund 2.300 versprochenen EU-Helfer in Griechenland eingetroffen. Die Experten vor Ort sind skeptisch. "Die Zeit drängt. Wie will man bis zum 4. April Hunderte, wenn nicht Tausende Asylanträge bearbeiten?", sagte ein Offizier der Küstenwache auf der Insel Chios.

Auf der Insel Lesbos, auf der die meisten Migranten aus der Türkei ankommen, helfen inzwischen 17 Asylexperten aus den Niederlanden, wie das staatliche Fernsehen ERT berichtete. Allein dort müssen nach Angaben des Krisenstabes allerdings mehr als 2.600 Fälle bearbeitet werden, auf der Insel Chios warten rund 1.300 Menschen auf die Asylprüfung.

Es fehlt nicht nur an Mitarbeitern, sondern auch an Platz. In der Hafenstadt Piräus, in der die Fähren von Lesbos ankommen, warten mindestens 4.000 Menschen – in der Hoffnung, nach Westeuropa weiterreisen zu dürfen. Immer mehr bauen Medienberichten zufolge ihre Zelte direkt auf dem Hafengelände auf. Am Freitag hatte der Sprecher des Krisenstabes, Giorgos Kyritsis, im griechischen Fernsehen erklärt, Griechenland werde in den kommenden 20 Tagen 30.000 neue Plätze für Migranten in Aufnahmelagern schaffen.