In den vergangenen 24 Stunden sind deutlich weniger Migranten aus der Türkei nach Griechenland gekommen als in den Tagen zuvor. Bis zum Morgen setzten 260 Menschen von der türkischen Küste auf griechische Ägäis-Inseln über, wie der griechische Stab für die Flüchtlingskrise mitteilte. Am Vortag waren im gleichen Zeitraum gut 600 Menschen eingetroffen und zwischen Sonntag- und Montagmorgen 1.662.

Das griechische Wetteramt warnte vor stürmischen Winden in der Ägäis, die am Nachmittag und am Donnerstag die Stärke acht bis neun erreichen könnten. Dies sei äußerst gefährlich für die Schifffahrt. Betroffen seien auch Regionen in der östlichen Ägäis, wo Bootsflüchtlinge jeden Tag versuchen, aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Zahlreiche Fährverbindungen in der Ägäis wurden am Morgen wegen starker Winde eingestellt, wie die Küstenwache mitteilte.

Viele der Migranten, die zuletzt von den Inseln Lesbos und Chios in Piräus ankamen, wollen nicht in Lagern in Nordgriechenland untergebracht werden. Sie weigerten sich, in Busse zu steigen, die sie in diese Lager bringen sollten, wie das Fernsehen zeigte. Sie hätten Angst davor, dort interniert zu werden, berichteten Reporter vor Ort.

Sowohl Ärzte ohne Grenzen als auch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hatten zuvor mitgeteilt, ihre Arbeit in den griechischen Aufnahmelagern einzustellen. Beide Organisationen begründeten dies mit dem Abkommen der EU mit der Türkei, das die Hotspots für Flüchtlinge de facto in Internierungslager verwandelt habe, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. "Den Menschen wird nicht mehr erlaubt, die Lager zu verlassen, sie sind eingesperrt." Das verstoße gegen Grundsätze des UNHCR. Man wolle sich nicht zu Komplizen eines Systems machen, "das wir als unfair und unmenschlich ansehen", sagte die Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Marie-Elisabeth Ingres. Die Hilfe der Organisation dürfe nicht für eine Massenabschiebung instrumentalisiert werden.

Flüchtlinge in Griechenland demonstrieren für Grenzöffnung

In Griechenland haben Flüchtlinge versucht, auf ihre ausweglose Lage aufmerksam zu machen. Hunderte Menschen in Griechenland, von der mazedonischen Grenze bis zu den Ägäis-Inseln nahe der Türkei, haben für die Öffnung der Grenzen demonstriert. Sie forderten, ihre Reise nach Mitteleuropa fortsetzen zu können, was seit dem Abkommen mit der Türkei nicht mehr zugelassen werden soll. Stattdessen suchten Behörden in Griechenland immer noch zu klären, wie genau die am Freitag geschlossene Vereinbarung zur Rückführung illegal in Griechenland eingereister Migranten in die Türkei umzusetzen ist.

In Idomeni unterbrachen mehrere Hundert Demonstranten eine Lebensmittelverteilung im Lager und verlangten die Öffnung der Grenze zu Mazedonien. Kleinere Proteste gab es in Lagern auf drei Ägäis-Inseln, wo seit Sonntag alle ankommenden Flüchtlinge gestoppt werden und dann auf den Rücktransport in die Türkei warten müssen. Ab wann die Flüchtlinge in die Türkei zurückgebracht werden sollen, war weiterhin offen. Beamte sagten, rechtliche und praktische Fragen müssten noch geklärt werden.