Angehörige der syrischen Armee in der Oasenstadt Palmyra ©  Sana/Handout

Die syrischen Regierungstruppen haben die Oasenstadt Palmyra vollständig von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Das berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie Vertreter der syrischen Armee. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen Kämpfen in der Nacht gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra der Nachrichtenagentur AFP. Die Dschihadisten hätten sich zurückgezogen. Sowohl die Ausgrabungsstätten als auch die angrenzenden Wohngebiete seien wieder unter Kontrolle der Armee.

Die Einnahme von Palmyra ist ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrischen Truppen. Die Stadt werde nun die Basis sein, von der aus weitere Militäroperationen gegen den IS insbesondere in Rakka und in Deir al-Sur geführt würden, teilte das syrische Oberkommando mit. Die Terrormiliz solle in die Zange genommen und von ihrem Nachschub abgeschnitten werden, um "ihrer Existenz ein Ende zu setzen", hieß es in der Erklärung der Streitkräfte.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Angaben für Medien meist kaum zu überprüfen sind, wurden seit Beginn der Offensive in Palmyra mindestens 400 Dschihadisten getötet. "Es sind die schwersten Verluste für den IS in einer einzigen Schlacht seit seiner Entstehung" im Jahr 2013, sagte Abdel Rahman. Mit Palmyra verliere die IS-Miliz "automatisch die große syrische Wüste" bis zur Grenze zum Irak.

Die IS-Miliz hatte Palmyra im vergangenen Mai erobert und die Welt in den folgenden Monaten durch brutale Hinrichtungen und die Zerstörung mehrerer antiker Gebäude und Skulpturen schockiert, die von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt wurden. Unter anderem zerstörten Kämpfer des IS den berühmten Baaltempel, den kleineren Tempel von Baalschamin, den prachtvollen Triumphbogen und ein Dutzend antike Grabtürme. Zudem ermordeten sie den 82-jährigen früheren Chefarchäologen der Stadt.

Vor der Eroberung der Stadt durch die Dschihadisten wurden wichtige Kunstwerke aus dem örtlichen Museum in Sicherheit gebracht, doch plünderten die Extremisten mehrere der reich verzierten Mausoleen. Laut dem Antikendirektor Mamun Abdelkarim fiel auch der berühmte Löwe der Athena der Zerstörungswut des IS zum Opfer. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ruinen und bewunderten die lange Säulenstraße, den Triumphbogen, die Tempel und die mehr als 500 Grabmäler der Nekropole.

Vor zwei Wochen hatte die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt in der Wüste nordöstlich von Damaskus gestartet.