Wenn Schadenersatz-Klagen in den USA verhandelt werden, wird es oft teuer. 80 Hinterbliebene von Opfern des Germanwings-Absturzes verklagen nun eine Flugschule in Arizona, die zur Lufthansa-Gruppe gehört. Das teilte die Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler mit. Die Flugschule Airline Training Center in Phoenix ist eine Einrichtung der Lufthansa Flight Training GmbH. Germanwings gehört zur Lufthansa-Gruppe.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug am 24. März vergangenen Jahres an einem Berghang in den französischen Alpen zerschellen lassen und damit 149 Menschen getötet. Der 27-Jährige hatte offenbar jahrelang unter Depressionen gelitten und deswegen auch Ärzte aufgesucht. Er hätte deshalb niemals zu der Flugschule zugelassen werden dürfen, heißt es in der jetzt eingereichten Sammelklage. 

Die Schule hätte von den psychischen Problemen ihres Schülers wissen können und ihn nicht zum Piloten ausbilden dürfen, lautet die Argumentation. Lufthansa und Germanwings lehnen eine Verhandlung des Falles in den USA jedoch ab. In den USA erhalten Hinterbliebene in der Regel deutlich höhere Entschädigungen als in Deutschland.

"Nachlässig und leichtsinnig"

Die Lufthansa-Flugschule sei nachlässig und leichtsinnig gewesen, sagte Rechtsanwalt Brian Alexander von Kreindler & Kreindler. Sie habe ihre selbstgesetzten Standards nicht erfüllt. Klare Warnhinweise seien übersehen worden. "Ein ordentliches Screening hätte seine Krankheitsgeschichte mit schweren Depressionen offengelegt", heißt es in der Klage. Lubitz sei eine Zeitbombe gewesen.

Hintergrund der Klage ist das Zerwürfnis um Entschädigungszahlungen zwischen der Lufthansa und vielen Angehörigen. Die Hinterbliebenen haben der Fluggesellschaft vorgeworfen, nur 45.000 Euro für jedes Opfer zahlen zu wollen. Die Lufthansa spricht dagegen von durchschnittlich 100.000 Euro, in manchen Fällen von deutlich mehr.

An der Klage haben mehrere Anwaltskanzleien aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien mitgearbeitet. Neben einer angemessenen Entschädigung soll die Klage auch ein Schlaglicht auf das Regelwerk für den Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Luftfahrt werfen. Es bestehe eine große Notwendigkeit, Piloten künftig regelmäßigen Tests zu unterziehen, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten.