Benachteiligte Kinder bleiben in den reichen Industriestaaten oft deutlich hinter ihren Altersgenossen zurück. Es gebe nur wenige Fortschritte beim Schließen der Kluft zwischen den untersten zehn Prozent der Kinder und denen aus der Mitte der Gesellschaft, heißt es in einem Unicef-Bericht. So habe sich die Lücke beim verfügbaren Haushaltseinkommen von 2008 bis 2013 in mehr als der Hälfte der Industriestaaten noch weiter vergrößert.

Auch bei Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit sind die Unterschiede weiterhin deutlich. "Ungleichheiten überlappen und verstärken sich gegenseitig", warnt das UN-Kinderhilfswerk. "Soziale und wirtschaftliche Nachteile zu Beginn des Lebens erhöhen das Risiko niedrigen Einkommens, niedrigerer Gesundheitsstandards und geringerer Fähigkeiten im Erwachsenenleben."

Deutschland landet insgesamt im oberen Mittelfeld. Vor allem bei der Gesundheit sind die Unterschiede deutlich weniger ausgeprägt als in fast allen anderen Industriestaaten. Auch die Einkommensschere klafft weniger breit als in zwei Drittel der anderen Staaten und ist in den vergangenen Jahren recht stabil geblieben. Schlecht schneidet das Land in der Bildung und bei der subjektiven Lebenszufriedenheit ab: Hier sind die jeweils am stärksten benachteiligten Kinder weiter abgehängt als in vielen Vergleichsländern. Allerdings habe das Land bei der Lesekompetenz große Fortschritte gemacht.

Der Bericht fordert Regierungen auf, mehr für das Wohlbefinden aller Kinder zu tun, und dazu unter anderem das Einkommen der ärmsten Kinder mit Sozialtransfers zu sichern. Außerdem sollten Bildungschancen für benachteiligte Kinder verbessert werden – dies müsse nicht zwangsläufig zu einem allgemein sinkenden Bildungsniveau führen, heißt es unter Verweis auf Erfahrungen in Dänemark, Estland und Polen. Dort sei es gelungen, die Kluft zu verringern und gleichzeitig das allgemeine Leistungsniveau anzuheben.