Der Islam muss nach Ansicht von Juristin Seyran Ateş dringend modernisiert werden. Immer mehr Musliminnen und Muslime wünschten sich einen friedlichen Islam, der den Dialog mit anderen Religionen pflege, sagte die 53-Jährige der ZEIT. Doch dieser Islam habe in Europa noch keinen Ort. "Es gibt nur die etablierten konservativen Gemeinden, die Kritik und Zweifel kaum zulassen."

Liberale, moderne und demokratische Muslime seien in der europäischen Moscheenlandschaft heimatlos. Die meisten Imame in Deutschland hätten ein "gestörtes Verhältnis" zu Werten wie Religionsfreiheit, Gleichberechtigung oder Homosexualität. "Zu viele Moscheen predigen einen Islam von vorgestern."

Deshalb fordert die Rechtsanwältin und Autorin, die in Istanbul geboren wurde und heute in Berlin lebt: "Wir müssen den Islam endlich aufklären." Ihr Traum sei es, "eine demokratietreue Moschee in Berlin zu schaffen".

Mit sechs Jahren kam Ateş als Kind eines Gastarbeiters nach Deutschland. "Berlin ist meine Heimat in Freiheit. Hier möchte ich auch frei glauben", sagte sie in der ZEIT. An keinem anderen Ort fühle sie sich derart diskriminiert wie in Moscheen. Mit 21 Jahren wurde sie von radikalen Muslimen angeschossen. Seitdem setzt sie sich für Integration ein, war Mitglied der Islamkonferenz und schrieb unter anderem das Buch Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.