Im Kampf gegen Islamisten hat der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) mehr Einsatz von den Imamen in Deutschland gefordert. "Wir spüren keine Vorbehalte gegen die Polizeiarbeit. Einige Gemeinden tun sich allerdings schwer damit, anzuerkennen, dass ihr Glaube von Radikalen missbraucht wird", sagte Holger Münch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Hier brauchen wir mehr Engagement – auch auf Seiten der Imame."

Münch warnte davor, dass radikale Salafisten die Notlage von Asylsuchenden in Deutschland ausnutzten. Junge männliche muslimische Flüchtlinge suchten Anschluss in Deutschland und wollten zugleich ihre Religion ausüben. Wenn sie dabei in einer Moschee an salafistische Islamprediger gerieten, bestehe die Gefahr einer Radikalisierung. Muslime dürften das nicht ignorieren. "Radikale Aktivitäten in Moscheen bereiten uns durchaus Sorge", fügte Münch hinzu.

Gleichzeitig warnte Münch vor wachsender Gewalt gegen Asylsuchende in Deutschland. "Uns bereitet vor allem Sorge, dass die Qualität der Gewalt steigt. In diesem Jahr gab es bereits 45 Brandstiftungen", sagte Münch. Die Täter sind überwiegend männlich und fast 80 Prozent kommen laut BKA aus dem Ort, an dem auch die Straftat verübt wurde.

Zudem äußerte sich Münch besorgt über die steigende verbale Gewalt durch Hasskriminalität im Internet. "Die Zahl der Delikte, die wir hier im Jahr 2015 registriert haben, hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht und liegt bei etwa 3.000 Fällen", sagte Münch. "Wir gehen davon aus, dass verbale Gewalt eine Vorstufe für Übergriffe auf Flüchtlinge sein kann. Die Sprache kommt häufig vor der Tat." 

Aktuell habe das BKA keine Erkenntnisse auf überregionale rechtsextremistische Strukturen, die gezielt Anschläge auf Flüchtlinge organisierten. "Allerdings sehen wir durchaus das Risiko der Bildung krimineller oder gar terroristischer Strukturen – ausschließen dürfen wir das nicht und nehmen diese Gefahr sehr ernst", sagte der BKA-Präsident.