Nach den heftigen Unwettern in Deutschland mit mehreren Toten und Milliardenschäden fordert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bessere Warnsysteme für Starkregen. Die Behörden sollten sich besser für akute Überschwemmungsgefahren durch Bäche und kleine Flüsse wappnen, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Dazu könnten neue Frühwarnsysteme gehören, aber auch neue Katastrophenszenarien für Polizei, Zivilschutz und Feuerwehr.

Für die großen Flüsse Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser gebe es nationale Vorsorgeprogramme, sagte die Ministerin. "Bestürzend an den jüngsten Überschwemmungen ist aber, dass sie nicht an Flüssen stattfanden, sondern sich kleine Bäche in reißende Ströme verwandelten." Auf diese Situation müssten sich die Verantwortlichen vorsorglich einstellen.

Derweil gehen die Unwetter in Deutschland weiter. Heftige Regenfälle haben am Samstagabend für Überschwemmungen rund um Bonn gesorgt. Mehrere Bäche waren nach einem Unwetter über die Ufer getreten, Keller liefen voll und ganze Straßenzüge standen unter Wasser. Nach Auskunft der Landesleitstelle der Polizei traf es die Stadtteile Bad Godesberg und Mehlem besonders heftig. "Von landesweit 30 Einsätzen wegen der Regenfälle hatten wir rund die Hälfte in Bonn", sagte ein Polizeisprecher. Die Stadt hat einen Krisenstab eingerichtet.

Auch in Bayern ziehen die Unwetter nicht ab: Im unterfränkischen Steinmark fuhr ein Blitz in ein Wohnhaus und verursachte einen Brand. Wie die Polizei mitteilte, erlitten vier Bewohner leichte Verletzungen, als sie am Samstag aus dem brennenden Gebäude flüchteten. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten am Abend ebenfalls leicht verletzt. Der Schaden beträgt 100.000 Euro.

Weitere Unwetter im Westen und Süden

Im niederbayerischen Kurort Bad Abbach löste ein einschlagender Blitz einen Wohnhausbrand aus. Es entstand ein Schaden von 400.000 Euro. Verletzte gab es nicht. Die Einsatzleitung in Niederbayern zählte in den Abendstunden 140 Notrufe. Umgefallene Bäume blockierten Straßen, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen waren überschwemmt oder verschlammt.

Im besonders betroffenen Hochwassergebiet rund um Simbach hat es wieder geregnet, größere Schäden sind bislang aber nicht bekannt geworden. In dem Gebiet soll jetzt auch die Bundeswehr vermehrt helfen. "Es sind Truppen angefordert. Wir erwarten für Sonntag oder Montag etwa 100 Mann", sagte der Sprecher des Landratsamtes Rottal-Inn, Robert Kubitschek. Schwere Räumfahrzeuge würden aber nicht benötigt. "Es sind schon viele Lastwagen und Bagger in den engen Straßen unterwegs. Wenn noch mehr dort hinkämen, wäre es auch für die Helfer gefährlich." Die Flutwelle in Niederbayern hat sieben Todesopfer gefordert und nach Schätzungen des Landratsamtes einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Mehr als 5.000 Haushalte seien betroffen, etwa 500 Häuser schwer beschädigt und wohl nicht sanierbar.

In Bayern und Baden-Württemberg waren in der vergangenen Woche insgesamt elf Menschen durch Hochwasser und andere Unwetterfolgen ums Leben gekommen. Auch das Rockfestival Rock am Ring in der Eifel musste aufgrund des Unwetters mit mehr als 80 Verletzten vorzeitig beendet werden.

Am Sonntag sei wieder mit lokalen Unwettern zu rechnen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Im Westen und Süden Bayerns drohten schwere Gewitter mit Blitzschäden, Hochwasser und Überflutungen.