Die türkische Polizei ist gewaltsam gegen Teilnehmer einer Demonstration für die Rechte von Trans-Personen in Istanbul vorgegangen. Die Beamten setzten Gummigeschosse und Tränengas ein, um die Kundgebung aufzulösen. Zuvor hatten sich zahlreiche Menschen mit Regenbogenfahnen in der Einkaufsstraße Istiklal in der Nähe des Taksim-Platzes versammelt.

Die Beamten waren vorbereitet: An der Fußgängerzone und in den Seitenstraßen waren mehr als 300 Polizisten in Schutzausrüstung postiert, auch Wasserwerfer standen bereit. Die Polizei rief die Demonstranten auf, auseinander zu gehen. Den Demonstranten wurde es untersagt, zu marschieren oder Stellungnahmen abzugeben. Laut türkischen Medienberichten wurden auch zwei Demonstranten festgenommen.

Die Demonstration mit dem Titel "Trans Pride" fand im Zusammenhang mit der Aktionswoche der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender- (LGBT)-Bewegung in der Türkei statt, in deren Rahmen zahlreiche Veranstaltungen geplant sind. Der Istanbuler Gouverneur hatte jedoch zuvor Demonstrationen anlässlich der Pride Week verboten. Der Beschluss zielte vor allem auf die Abschlussveranstaltung am kommenden Sonntag ab. Die Stadtverwaltung Istanbuls teilte mit, für eine Kundgebung oder eine Parade werde es "aus Gründen der Wahrung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung" keine Genehmigung geben. 

Türkische Islamisten und Nationalisten hatten Gegendemonstrationen angekündigt. Die Parade war auch schon im vergangenen Jahr verboten worden. Auch damals setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein.

Erst am Samstag war die Polizei in Istanbul gewaltsam gegen eine Demonstration vorgegangen, bei der gegen die Stürmung eines Plattenladens durch Islamisten protestiert wurde. Die rund 500 Demonstranten wurden von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen auseinandergetrieben.

Die Gay Pride am 26. Juni soll der Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen sein, die Aktivisten der LGBT-Szene geplant haben. Die Veranstalter kritisierten das Verbot als "Verletzung der Verfassung und des Gesetzes". Sie warfen den Istanbuler Behörden vor, die Rechte der Bürger nicht zu schützen und kündigten rechtliche Schritte an. Die Parade findet seit 2003 statt.