Die Hanna-Kitas in Berlin haben nicht nur ein verbindliches Kinderschutzkonzept erarbeitet – eine der Kita-Leitungen fungiert zugleich als Kinderschutzbeauftragte für alle Kitas des Unternehmens –, sondern dort trifft sich regelmäßig eine Kinderschutz AG. Geschäftsführer Manuel Schottmüller wünscht sich von seinen Mitarbeitern "eine Kultur des Meldens". In der Firma solle nicht der sanktioniert werden, der Probleme benennt, sondern derjenige, der wegschaut. "Wer nicht meldet, macht den Fehler, und nicht andersherum", sagt Schottmüller.

Trotz knapper Ressourcen gute Bedingungen für Kita-Kinder schaffen: Mit diesem Anspruch betreibt das Unternehmen inzwischen sieben Kitas in Berlin. Die gemeinnützige GmbH bekommt als Träger genauso wenig Personal finanziert wie andere Anbieter und muss ihre Erzieher auf demselben leeren Fachkräftemarkt suchen. Die Kitas der Hanna gGmbH sollen keine Elite-Einrichtungen sein, das Unternehmen kassiert deshalb keine hohen Zusatzbeiträge von den Eltern. Wie gelingt es ihnen, sich von anderen zu unterscheiden?

Gründer Hartmut Horst listet keine Konzepte auf, seine Kitas haben bewusst keine eigene Pädagogik entwickelt wie andere größere Anbieter, sie setzen weder auf Montessori noch auf Waldorf. Ihre Arbeit folgt einem leidenschaftlichen Pragmatismus. "Unser Ziel ist einfach", sagt Hartmut Horst, er wolle bestmögliche Bedingungen für kleine Kinder schaffen, ohne Brüche zwischen Theorie und Praxis. Entscheidend sei der Respekt gegenüber Kindern ebenso wie gegenüber Kollegen. "Wir geben immer eine zweite Chance, aber keine dritte."

Die Hanna gGmbH hat ihre Büros im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, die neu aufgestockte Verwaltungsetage mit offener Küche und Dachterrasse liegt hoch über dem Garten der Kita Löwenzahn. Unten toben die Kinder über das wilde, hügelige Außengelände. Oben erklärt Hartmut Horst sein Projekt.

Ein bunter Vogel

Der Kita-Gründer hat das Unternehmen nach seiner Tochter benannt. Hanna ging selbst in diese Kindertagesstätte, kurz vor ihrem vierten Geburtstag starb sie bei einem Unfall. Im Treppenhaus vor dem Bürotrakt erinnert ein Gemälde an das Mädchen. Hartmut Horst sieht seine Firma als bunten Vogel unter den Kita-Anbietern, "so wie Hanna es gewesen ist". Der Satz gilt genauso für ihn selbst.

Horst ist Unternehmer, kein Pädagoge, er kommt aus der Medienbranche. In den Neunzigern war er Geschäftsführer von Radio Energy. Seit 2002 steckt Horst seine unternehmerische Energie und Kreativität in den Betrieb und Aufbau von Kindertagesstätten in der Hauptstadt. Alle Mitglieder der Geschäftsführung sind fachfremd in der Kita-Branche. Seine Frau Tanja Horst hat als Projektleiterin bei den Berliner Verkehrsbetrieben gearbeitet. Geschäftsführer Manuel Schottmüller ist Betriebswirt und kommt aus der Immobilienbranche.

"Wir sind soziale Unternehmer", sagt Horst. "Unser Credo ist, in diesem Bereich gute Arbeit zu leisten." Die Häuser sollen einladend sein, mit schönen Gärten für die Kinder, gutem Essen, und vor allem einem professionellen, zufriedenen Pädagogen-Team. Die Verwaltungskosten will Horst knapp halten.

Natürlich kennen auch die Hanna-Kitas akute Personalnot, wenn Erzieher erkranken oder kündigen. Doch der Träger arbeitet nach einem Grundsatz, den Eltern anderswo noch per Petition einfordern: der Personalschlüssel soll nicht nur aufs Jahr gerechnet stimmen, sondern im Alltag der Kita-Gruppen. Der Personal- und Krankenstand werde deshalb im Monatsrhythmus ausgewertet, die Geschäftsführung besuche jede Kita einmal in der Woche persönlich, erläutert Horst. Er findet: "Das Dümmste, was man als Kita-Betreiber machen kann, ist: Sparen auf Kosten des Personals."

Das Unternehmen bucht deshalb notfalls Springer von Personalagenturen, um einen akzeptablen Mitarbeiterschlüssel sicherzustellen, obwohl niemand den Träger dazu verpflichtet. Im vergangenen Jahr lagen die Ausgaben für solche externen Aushilfen laut Horst bei immerhin 170.000 Euro, sie waren damit fast so hoch wie die für Lebensmittel. 

Auch hier argumentiert Hartmut Horst pragmatisch. Für seine Mitarbeiter sollen die Arbeitsbedingungen stimmen, sonst drohe ein negativer Dominoeffekt: "Wenn die Abwanderung von Erziehern einmal losgeht, ist sie nur noch schwer zu stoppen." Die Mitarbeiter bekämen deshalb auch möglichst große pädagogische Gestaltungsspielräume und Mitspracherechte.