Was wir sicher wissen

  • Zum Tatverlauf:
  • Am frühen Freitagabend schoss ein 18-jähriger Mann in und vor dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Münchner Stadtteil Moosach auf Passanten. Er tötete mindestens neun Menschen. 35 wurden in der Nacht verletzt, davon elf schwer. Die meisten der Opfer sind Jugendliche, darunter zwei 15-Jährige, drei 14-Jährige, ein 17-Jähriger und ein 19-Jähriger. Nach Angaben des Landeskriminalamts waren unter den Opfern zwei Deutsche, zwei Menschen mit deutsch-türkischer Nationalität, ein Ungar, ein Türke, ein Grieche, ein Kosovare und ein Staatenloser.
  • Der Täter verwendete eine Pistole der Marke Glock mit einem 9-Millimeter-Kaliber. Die Waffe hatte keine Seriennummer mehr. Sie war einst zu einer Theaterwaffe umfunktioniert, dann aber wieder zu einer scharfen Waffe umgebaut worden. Außerdem trug er einen roten Rucksack mit Munition für rund 300 Schuss bei sich.
  • Der Täter hat am Tatort aus seiner Pistole fast 60 Schüsse abgegeben. 57 Hülsen konnten von den Ermittlern eindeutig der Tatwaffe zugeordnet werden.
  • Nach dem ersten Angriff flüchtete der Täter auf das Dach eines Parkdecks. Dort traf er auf Polizeibeamte, die einen Schuss auf ihn abgaben, ihn aber nicht trafen.
  • Anschließend flüchtete der Mann in eine Seitenstraße unweit des Einkaufszentrums. Dort traf er nach Polizeiangaben auf eine Polizeistreife. Nachdem die Beamten ihn ansprachen, richtete der Täter die Waffe demnach unvermittelt gegen sich selbst und erschoss sich.
  • Zunächst wurde ein Großeinsatz in München eingeleitet, um nach weiteren, bis zu drei Tätern mit Langwaffen zu fahnden. Diese Spur zerschlug sich hingegen bald. Mittlerweile ist für die Polizei eindeutig, dass der Mann als Einzeltäter handelte. Insgesamt waren 2.300 Beamte im Einsatz, darunter Spezialeinheiten aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, sowie die GSG 9 und Cobra aus Österreich.
  • Der Amokläufer hat, anders als vermutet, vor der Tat keinen Facebook-Account gehackt, sondern einen Fake-Account angelegt. Dafür hat er Fotos und andere Daten eines anderen Kontos verwendet. Mit diesem Facebook-Account hat er angekündigt, dass er bei McDonald's eine Runde spendieren werde.
  • Der Vater des Täters hat seinen Sohn schon kurz nach der Tat auf einem Video erkannt, das im Internet kursierte. Er sei deshalb in eine Polizeiinspektion gegangen.

Zum Täter:

  • Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner. Er ist in München geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen.
  • Nach Abschluss einer Mittelschule besuchte er zuletzt eine Fachoberschule.
  • In der Wohnung seiner Eltern im Münchner Stadtteil Maxvorstadt, in der er wohnte, fanden die Ermittler keine Hinweise auf Verbindungen zur Terrororganisation IS.
  • Allerdings stellten sie zahlreiche Artikel über Amokläufe und das Buch Amok im Kopf. Warum Schüler töten des amerikanischen Psychologen Peter Langman sicher. Der Amokschütze ist laut LKA selbst nach Winnenden gefahren, um sich am Ort des Schauplatzes des Amoklaufs umzusehen - und hat dort Fotos gemacht. Das Manifest des norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik ist auf seinem Rechner jedoch nicht entdeckt worden.
  • Der Amokläufer hatte sich seit letztem Sommer mit seiner Tat befasst. Er hat außerdem ein eigenes schriftliches Manifest zu seinen Taten verfasst, sagte das bayerische LKA.
  • Es handelt sich nicht um eine politisch motivierte Tat. Der Täter hat sich laut Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch auch nicht gezielt Ausländer als Opfer ausgesucht. Dass mehrere Jugendliche mit Migrationshintergrund zu den Todesopfern gehören, bewertet die Polizei als Zufall.
  • Der 18-Jährige wurde laut Oberstaatsanwaltschaft wegen einer psychiatrischen Erkrankung behandelt. In der Wohnung hat man ärztliche Behandlungsunterlagen gefunden, die auf eine Angststörung und Depressionen hindeuteten. Er hat sich sowohl in stationärer und ambulanter Behandlung befunden. Medikamente wurden auch gefunden.
  • Er hat Ego-Shooter-Spiele gespielt.
  • Er ist im Jahr 2012 von Mitschülern gemobbt worden.
  • Der Täter war dem Verfassungsschutz und der Polizei bisher nicht bekannt. Lediglich einmal wurde er bei einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen aktenkundig.

Was wir noch nicht sicher wissen

  • Die Ermittler wissen noch nicht, warum der Amokläufer das Schnellrestaurant als Tatort und den Tatzeitpunkt ausgesucht hat.
  • Ein Indiz für die Motivlage ist ein 45 Sekunden langes Video, das bereits am Freitagabend im Internet kursierte und offenbar von einem anderen, höher liegenden Gebäude gefilmt wurde. Man sieht darin den mutmaßlichen Täter in schwarzer Kleidung auf einem Parkdeck stehen. Offenbar wird er von einem anderen Mann, der nicht im Bild zu sehen ist, beschimpft, unter anderem als "Kanake". Der mutmaßliche Täter lässt sich auf den Dialog ein und ruft unter anderem: "Ich bin Deutscher! Hört auf, zu filmen!" Er erwähnt außerdem, er sei in einer "Hartz-IV-Gegend" aufgewachsen und in "stationärer Behandlung" gewesen. Er sagt auch: "Ich bin hier geboren." Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä hat in der Nacht zu Samstag bestätigt, dass das Video nach aktuellem Erkenntnisstand den Täter zeigt.
  • Zur Waffe sagt das LKA, es gäbe einen Chatverlauf im Darknet, einem Netzwerk im Internet, der darauf schließen lässt, dass der Täter sich diese Waffe im Darknet besorgt habe.
  • Nach bisherigem Stand der Ermittlungen sind unter den Opfern keine Mitschüler des Täters. Auch die Menschen, die der Täter über den falschen Facebook-Account einlud, gehören wahrscheinlich nicht zu den Todesopfern.
  • Zu den Medikamenten: Die Staatsanwaltschaft weiß noch nicht, ob der Täter die gefundenen Medikamente auch eingenommen hat. Entsprechende toxikologische Untersuchungen nehmen mehrere Wochen in Anspruch.
  • Ob der 18-Jährige über besondere Fähigkeiten an der Waffe verfügt habe, ist noch unklar. Das LKA vermutet, der Todesschütze habe auf dem Parkdeck nachgeladen. Dafür sprächen dort entdeckte Patronen.
  • Ob er sich getötet habe, weil er von Polizisten in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums gesichtet worden sei, weiß das BKA auch noch nicht.
  • Die Polizei geht außerdem der Frage nach, ob es einen Mitwisser der Tat gab: Am Sonntagabend wurde ein 16-Jähriger festgenommen, weil er sich bei Befragungen in Widersprüche verwickelt hatte. Der Jugendliche soll sich am Freitag in der Nähe des Tatorts befunden und mit dem Amokläufer über WhatsApp in Kontakt gewesen sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 16-Jährige wusste, dass der Amokschütze eine Waffe hatte.

Diese Faktensammlung wird fortlaufend aktualisiert.


Karte: Tödliche Schüsse in München

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