Bei einer Explosion während einer Hochzeitsfeier in Gaziantep im Südosten der Türkei sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Das teilte der Gouverneur der Provinz, Ali Yerlikaya, mit. Mindestens 94 weitere wurden nach seinen Angaben verletzt. Vermutlich habe sich ein Selbstmordattentäter bei der Feier im Zentrum der Stadt in die Luft gesprengt, sagte der aus Gaziantep stammende Abgeordnete Mehmet Erdoğan von der Regierungspartei AKP dem TV-Sender CNN Türk. Gaziantep liegt wenige Kilometer vor der Grenze zu Syrien.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprach zuerst von 30 Toten. Zahlreiche Krankenwagen waren vor Ort im Einsatz. In sozialen Medien kursierten Videos, die chaotische Szenen zeigten. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Die türkische Regierung vermutet hinter den Anschlägen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Extremistenmiliz sei "wahrscheinlich verantwortlich für die Anschläge", sagte Erdoğan.

In einer früheren Stellungnahme von Staatspräsident Erdoğan, die von der Nachrichtenagentur Anadolu verbreitet wurde, sagte er, die Täter würden das türkische Volk zu "provozieren versuchen", indem sie "ethnische und religiöse Empfindlichkeiten" für ihre Zwecke nutzten. Er mache dabei keinen Unterschied zwischen der kurdischen Untergrundorganisation PKK, der Bewegung des Islam-Predigers Fethullah Gülen und der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Wie Erdoğan sprach auch Gouverneur Yerlikaya von einem Terroranschlag. Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım sagte: "Egal wie diese verräterische Terrororganisation genannt wird, wir als Volk, als Staat und als Regierung werden unseren Kampf gegen sie fortsetzen." Sein Stellvertreter Mehmet Şimşek bezeichnete die Tat als "barbarisch" und reiste noch in der Nacht nach Gaziantep. "Das ist ein Massaker beispielloser Grausamkeit und Rohheit", fügte er hinzu. Die Türkei stünde allen Terrororganisationen einheitlich gegenüber. Es sei jedoch zu früh, um sagen zu können, welche Gruppe hinter dem Attentat stecke.

Rundfunkbehörde verhängt Nachrichtensperre

Die prokurdische türkische Partei HDP teilte mit, bei dem Anschlagsziel habe es sich um eine kurdische Hochzeit gehandelt. Demnach sind unter den Todesopfern auch mehrere Kinder. "Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln", erklärte die Partei.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan werde ständig über die Lage informiert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Rundfunkbehörde verhängte ähnlich wie bei früheren Attentaten teilweise ein Nachrichtenverbot.

Im Südosten der Türkei sind sowohl die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK als auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" aktiv, die in der Region mehrfach Anschläge verübt hat. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in das türkische Grenzgebiet zu Syrien und zum Irak ab und nennt dabei ausdrücklich auch Gaziantep.

Erst vor zwei Tagen waren bei Anschlägen im Südosten der Türkei 200 Menschen verletzt worden. Die türkische Regierung hatte die PKK dafür verantwortlich gemacht.