Im Flüchtlingscamp im nordfranzösischen Calais leben nach Angaben von Hilfsorganisationen derzeit mehr als 10.000 Menschen. Mitte September seien genau 10.088 Flüchtlinge in dem auch als "Dschungel" bekannten Lager am Ärmelkanal gezählt worden, teilten zwei Organisationen mit. Das seien etwa tausend Flüchtlinge mehr als noch einen Monat zuvor.

Die französischen Behörden weisen die Zahlen von Hilfsorganisationen zu den Flüchtlingen in Calais allerdings regelmäßig als übertrieben zurück. Die zuständige Präfektur hatte Mitte August etwa 6.900 Flüchtlinge in dem Lager gezählt, Hilfsorganisationen sprachen hingegen von 9.000.

Im Brennpunkt der Flüchtlingskrise

Calais ist schon seit Jahren ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Europa. Die meisten der Bewohner des Flüchtlingslagers hoffen, auf Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien zu gelangen. Sowohl der Hafen als auch der Zugang zum Eurotunnel wurden aber seit vergangenem Jahr mit neuen Barrikaden versperrt.

Immer wieder blockieren Flüchtlinge mit Baumstämmen und anderen Gegenständen die Zufahrtsstraße zum Hafen, um Lastwagenfahrer zum Bremsen zu zwingen und dann an Bord der Lkws auf Fähren zu gelangen. Um die Flüchtlinge daran zu hindern, überhaupt auf die Zufahrtsstraße zu kommen, lässt die Regierung eine Mauer errichten. Journalisten berichten, dass Bauarbeiter am Dienstagnachmittag mit der Errichtung der Mauer begonnen hätten. Die Mauer soll einen Kilometer lang und vier Meter hoch werden. Sie verlängert bereits existierende Zäune entlang der Straße und soll vor Jahresende fertiggestellt werden.

Die französische Regierung hat außerdem die Schließung des Lagers angekündigt. Einen konkreten Zeitplan gibt es aber noch nicht.