Nach Zahlen aus dem Bundesinnenministerium müssen immer mehr Menschen, die das Recht oder die Pflicht haben, einen Integrationskurs zu besuchen, auf einen Platz warten. 

Zwischen Januar und August 2016 hätten etwa 171.000 Zuwanderer einen solchen Kurs begonnen, berichtet die Süddeutsche Zeitung, annähernd so viele wie im gesamten Vorjahr. Allerdings habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so vielen, nämlich 366.000 Interessenten, eine Teilnahmeberechtigung ausgestellt. Das gehe aus Zahlen hervor, die der Bundestagsabgeordnete Roland Claus (Linke) beim Bundesinnenminister erfragt habe, berichtet die Zeitung.

Wie das Ministerium mitteilt, ist es üblich, dass die Zahl der neuen Kursteilnehmer geringer ist als die der ausgestellten Berechtigungen. Regelmäßig komme es zwischen Scheinausgabe und Kursbeginn zu Verzögerungen. Darüber, wie viele Interessenten tatsächlich wegen fehlender Angebote keinen Kurs besuchen konnten, lägen dem Bamf keine Erkenntnisse vor.

Das Verhältnis zwischen Teilnahmeberechtigten und Kursteilnehmern in den ersten acht Monaten dieses Jahres sei allerdings deutlich stärker im Ungleichgewicht als in den Jahren zuvor. 45 Prozent der neuen Kursteilnehmer seien Flüchtlinge aus Syrien gewesen, jeder fünfte Sprachschüler sei aus einem EU-Land gekommen.

Im laufenden Bundeshaushalt sind 559 Millionen Euro für Integrationskurse eingeplant. Bis August seien davon aber erst 262 Millionen Euro ausgegeben worden, berichtet die Zeitung. Im kommenden Jahr wolle die Bundesregierung den Kursetat auf 610 Millionen Euro aufstocken, einen Antrag der Linken, dafür knapp 900 Millionen Euro auszugeben, habe die Koalition im Innenausschuss abgelehnt.

Die Regierung habe "immer den Eindruck vermittelt, Flüchtlinge müssten zum Spracherwerb gezwungen werden", kritisierte die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen, dabei reiche das Sprachkursangebot "offenkundig bei Weitem nicht aus". Nicht Geld scheine das größte Problem zu sein; es gehe vor allem darum, genug Lehrer zu finden.