Wie wollen wir leben, lieben, arbeiten? Am vergangenen Wochenende trafen sich auf Einladung von ZEIT ONLINE 600 Menschen im Alter von 20 bis 29, um auf dem Festival Z2X Ideen für eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Die 80 Workshops, "Blitzvorträge" und "Frag-mich-alles"-Sessions gestalteten die Teilnehmenden selbst. Das Programm von Z2X speiste sich aus den Ideen von mehr als 5.000 Interessierten, die sich mit eigenen Beiträgen etwa zu Generationengerechtigkeit, Segregation, Digitalisierung, Umverteilung, Zukunft der Arbeit, Wissenstransfer und politischer Bildung beworben hatten.

In den Bühnenräumen, auf der Terrasse und im Garten des Radialsystem V tauschte sich die Generation 2X zwei Tage lang aus. Sind 6 MdBs unter 30 eigentlich ausreichend, um die Anliegen dieser Generation politisch wirksam zu vertreten? Hält die Sharing-Economy ihr Versprechen von Teilen statt Kaufen? Kann ich als Selbstständiger der Selbstausbeutung entkommen? Solche Themen wurden bei Z2X debattiert.

Aus dieser Vielfalt filterte die Z2X-Jury zum Abschluss der Konferenz zehn Ideen für eine bessere Welt. Wir stellen sie hier mit jenen Laudationes vor, die Redakteurinnen und Redakteure von ZEIT ONLINE und ze.tt gehalten haben.

Beim abschließenden Voting – mit Tischtennisbällen, die in Tonnen geworfen wurden – erhielten die ersten drei aufgeführten Projekte die mit Abstand meisten Stimmen. Sie werden von ZEIT ONLINE und der Crowdfunding-Plattform Startnext künftig weiter begleitet und unterstützt. Maria Exner

Z2X - Diese Ideen wollen wir weiterverfolgen Ein globales Trinkgeld einführen, Flüchtlinge retten und einen Ort für politische Diskussion – diese Ideen haben die Jury und die Besucher des Festivals Z2X überzeugt.

1. Jugend rettet

10.000 Menschen sind in den vergangenen zwei Jahren im Mittelmeer ertrunken und verschollen. Doch es wären noch mehr gewesen, wenn Pauline, Matthias, Titus und ihre Mitstreiter von Jugend Rettet nicht die Initiative ergriffen hätten.

Schleuser schicken Flüchtlinge in Booten auf das Meer, die niemals in Europa ankommen könnten. Sie sind überladen, instabil und haben nicht genügend Benzin an Bord, um Festland zu erreichen. Sie müssen untergehen.

Deshalb haben Titus und seine Kollegen Spenden gesammelt, ein Schiff gekauft, es umgerüstet und ins Mittelmeer gebracht. Die Iuventa patrouilliert vor den Hoheitsgewässern von Libyen, sucht Schiffe mit Flüchtlingen und bringt die Menschen darauf in Sicherheit. Jugend Rettet übernimmt damit eine Aufgabe, die eigentlich Staaten übernehmen müssten.

Dass wir junge Europäer etwas dagegen tun können, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken – dafür ist der Verein Jugend Rettet das beste Beispiel. Und wir können alle unseren Teil dazu beitragen: mit Spenden oder indem wir Titus und das Team mit ehrenamtlichem Engagement unterstützen. Thomas Strothjohann

2. Das Interrail-Ticket

Stellt euch vor, ihr hättet zu eurem 18. Geburtstag Post von der EU bekommen. Darin: Ein Gutschein für ein Interrail-Ticket. Ihr dürft einen Monat lang mit der Bahn durch Europa reisen. Wann ihr wollt: Acht Jahre habt ihr Zeit dafür, denn der Gutschein gilt, bis ihr 26 seid. Und das Ganze auf Kosten der EU-Kommission.

Was sich Vincent und Martin ausgedacht haben, ist eine einfach geniale Idee mit wunderbaren Effekten: Wir bieten allen jungen Europäern die Möglichkeit, den Kontinent zu bereisen. Reisen bildet und hilft, Vorurteile abzubauen. Es fördert Weltoffenheit und Toleranz.

Bislang zieht sich ein Spalt durch unsere Gesellschaft: Viele junge Menschen können sich so ein Ticket nicht leisten. Das führt zu verschiedenen Mentalitäten, Verschlossenheit und fehlendem europäischen Bewusstsein.

Ein kostenloses Interrail-Ticket kann vielleicht nicht die Welt verändern, aber immerhin Europa. Wenn die jährlich mehr als fünf Millionen 18-Jährigen durch den Kontinent reisen, lernen sie Länder und Menschen kennen, entwickeln ein europäisches Bewusstsein und bauen das ein oder andere Vorurteil ab. Nebenbei kurbeln sie in den jeweiligen Ländern die Tourismuswirtschaft an. Und zuletzt wäre es auch ein gigantisches Konjunkturprogramm für den europäischen Bahnverkehr. Till Schwarze

3. Köln spricht

Der Hass wird in Deutschland laut herausgeschrien, während die Anständigen oft lieber leise sprechen. Die können ein Mikro gut gebrauchen. Fabian und seine Freunde von Köln spricht geben es ihnen in die Hand.

Pegida ist doof, findet er. Darauf können wir uns wohl alle einigen. Aber Fabian wollte nicht immer nur auf die Rechten reagieren, ihre Argumente widerlegen und den Hass eindämmen. Sondern die Demokratie feiern. Ein Festival für Demokraten veranstalten, für jede und jeden, an der frischen Luft, im Sonnenschein, das wär doch was. Also hat er mit Freunden im April eine kleine Bude aus Holz gezimmert, ein Mikro herangeschafft, Lautsprecher und gute Musik und genau das veranstaltet: ein Festival für Demokratie, mit einer offenen Bühne für jeden, der oder die was zu sagen hat. Und mit guter Musik.

Er rechnete mit 50 Leuten, es kamen 500. Und sie kamen wieder! Sprechen am Aachener Weiher, einem großen Park in Köln, über TTIP, Ernährung, Demokratie und die Frage, was ein gutes Leben ausmacht.

Manche kamen und haben gefragt: Was macht ihr denn, außer reden? Er sagt: Demokratie fängt genau damit an, dass man miteinander ins Gespräch kommt.

Aber der Sommer ist fast vorbei. Und im Winter wird es kalt im Park. Fabian und seine Leute brauchen einen Raum, um ihr Festival auch im Winter weiter zu feiern. Außerdem wollen sie Flyer drucken, Sticker und ihr schniekes Design denen zu Verfügung stellen, die Lust auf Rostock spricht, Frankfurt spricht oder Bottrop-Kirchhellen spricht haben. Hannes Schrader

4. Das globale Grundeinkommen

Die Idee des globalen Grundeinkommens von Samuel sollte gefördert werden, weil sie alle bisherigen Ideen zum Grundeinkommen vom Kopf auf die Füße stellt. Nicht der Staat soll ein Grundeinkommen für jeden schaffen, sondern es kommt von unten.

Wie funktioniert es?

Unternehmen bekommen ein Label oder ein Zertifikat, wenn sie einen geringen Teil ihres Umsatzes (ein Prozent oder mehr, oder weniger) in einen Pool oder Fonds einzahlen, aus dem das Grundeinkommen ausgezahlt wird. Bekommen kann das Geld jede natürliche Person auf der Welt, man muss sich nur dazu anmelden.

Die Höhe der Auszahlung richtet sich nach der Größe des Pools. Es könnten am Anfang nur kleine Centbeträge zusammenkommen, aber je mehr Unternehmen sich beteiligen, desto mehr Geld kann auch verteilt werden.

Samuel braucht die Finanzierung, um eine Imagekampagne zu starten. Vorschläge für einen kurzen Imagefilm hat er bei Z2X in einem Workshop erarbeitet. Zacharias Zacharakis