Wegen der Flüchtlingskrise in Syrien haben nach Angaben der OECD im vergangenen Jahr so viele Menschen um Asyl ersucht wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. 2015 habe sich die Zahl der Anträge auf 1,65 Millionen verdoppelt, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem jährlichen Migrationsbericht mit. Für das laufende Jahr werde mit einem weiteren Anstieg gerechnet.

Fast jeder vierte Asylbewerber kam den Angaben zufolge 2015 aus Syrien, 16 Prozent aus Afghanistan. An der Spitze der Zielstaaten steht Deutschland, wo 2015 441.900 Menschen einen Asylantrag stellten, vor allem aus Syrien, Albanien und dem Kosovo. Das war eine Zunahme von 155 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weitere Zielstaaten mit vielen Ankommenden waren Ungarn, die USA, Schweden, die Türkei. In Ungarn stellten mit 174.000 Menschen sogar 321 Prozent mehr einen Asylantrag im Vergleich zu 2014, der Zuwachs in Schweden war bei etwa gleicher Größenordnung mit 108 Prozent geringer. In den USA gab es 43 Prozent Zuwachs bei den Antragstellern, in der Türkei 52 Prozent.  

Drei Viertel der Asylbewerber suchten in Ländern der Europäischen Union Schutz, die meisten davon in Deutschland, teilte die OECD unter Berufung auf Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks mit.

Insgesamt stieg den OECD-Angaben zufolge die Zahl der Migranten im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 4,8 Millionen. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den OECD-Mitgliedern zählen 35 entwickelte Industrieländer weltweit – von Neuseeland über Deutschland bis Mexiko. 

Die Autoren der Studie weisen daraufhin, dass mit Blick auf die Flüchtlingskrise ein strukturelles Vorgehen der Staaten und mehr internationale Kooperation notwendig seien. Ein typisches Beispiel sei die Europäische Union, die Schwierigkeiten gehabt habe, auf die Krise mutig, umfassend und koordiniert zu reagieren. Alternative Migrationsmöglichkeiten zum Asylantrag könnten verhindern, dass Flüchtlinge sich auf die gefährliche Flucht begeben. Die Studie nennt etwa Arbeitsmigration, Studentenprogramme oder humanitäre Visa als Möglichkeiten.

Am Montag beginnt in New York ein Gipfel der Vereinten Nationen, bei dem es um Flüchtlings- und Migrationsbewegungen geht.