Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft der Polizei in Pakistan außergerichtliche Hinrichtungen vor. Befragte Polizisten hätten angegeben, die meisten außergerichtlichen Tötungen erfolgten auf Druck aus der Hierarchie oder der örtlichen Elite, hieß es in einem nun veröffentlichten Bericht. Wenn der Polizei die Beweise gegen Verdächtigte fehlten, würde sie etwa bewaffnete Zusammenstöße vortäuschen, um Verdächtige zu töten. 

Die Polizei werde für diese Tötungen nicht zur Verantwortung gezogen, so HRW. Angst oder Drohungen hielten Familienangehörige der Opfer davon ab, Beschwerden gegen die Polizei einzulegen. "Der Rechtsstaat kann in Pakistan nicht Realität werden, wenn die Staatsgewalt, die das Recht durchsetzen soll, nicht selbst daran bemessen wird", sagte Brad Adams, der Asien-Chef von HRW. "Damit das passiert, muss die pakistanische Regierung Veränderungen im System vornehmen und die unzulässigen Einflüsse von außen angehen." Die Menschenrechtler befragten mehr als dreißig Polizisten und fünfzig Opfer von Polizeiwillkür.

Der Bericht prangert auch andere Menschenrechtsverletzungen wie willkürliche Festnahmen und Folterungen an. Die Menschenrechtler zählten auf, dass die Polizei Peitschenschläge, Streckstangen für die Beine, sexuelle Gewalt, Schlafentzug und psychische Foltermethoden einsetze, weil sie nicht in professionellen Ermittlungsmethoden und forensischer Analysen ausgebildet sei.

Miserable Arbeitsbedingungen würden zu einem Klima beitragen, in dem Menschenrechtsverletzungen toleriert oder sogar begünstigt werden, kommentierte HRW die Erkenntnisse. Untere Polizeioffiziere müssten 24 Stunden am Tag erreichbar sein, statt in Schichten würden sie sehr lange am Stück arbeiten. Oft fehle auch nötige Ausrüstung wie Fahrzeuge, Ermittlungstechnik oder sogar Notizblöcke und Unterlagen für Berichte. "Die Arbeitsbedingungen und Anreize zur Professionalität müssen für die Polizisten verbessert werden", sagte Asien-Chef Adams.