Seit Beginn des Jahres sind einem Bericht zufolge bereits fast 800 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verübt worden. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe im laufenden Jahr 797 Straftaten gegen Flüchtlingsheime registriert, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Für 740 Delikte sind laut dem BKA "rechtsmotivierte Täter" verantwortlich. Bei 57 Delikten kann eine politische Motivation nicht sicher ausgeschlossen werden.

Den Berichten zufolge gab es 320 Fälle von Sachbeschädigung, bei 180 Delikten verteilten die Täter rechtsextreme oder fremdenfeindliche Propaganda. Bei 137 Straftaten hätten die Angreifer sogar Gewalt angewendet. Laut dem BKA habe es im laufenden Jahr 61 Brandstiftungen und zehn Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz gegeben. In vier Fällen explodierte der Sprengstoff in oder an der Flüchtlingsunterkunft.

Der Tagesspiegel berichtete außerdem, dass Neonazis und andere Rechtsextreme in diesem Jahr mehr versuchte Morde und Totschlagsdelikte begangen haben als in den Jahren zuvor. Bis Anfang Oktober habe die Polizei bundesweit elf versuchte Tötungsdelikte von rechtsextremen Tätern registriert. Das gehe aus der Antwort des Innenministeriums auf eine schriftliche Anfrage einer Linken-Abgeordneten hervor. Viermal sei 2016 die Tat als ein versuchter Mord, sieben mal als versuchter Totschlag gewertet worden. 2015 seien im Vergleich dazu nur sieben Vorfälle registriert worden, im Jahr 2014 einer. Mehrere Attacken hätten sich gegen Flüchtlinge und andere Migranten gerichtet. In einem Fall sei das Opfer ebenfalls aus der rechtsextremen Szene gekommen.

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsheime ist in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen. Im vergangenen Jahr zählte das BKA 1.029 Straftaten gegen Einrichtungen für Flüchtlinge. 2014 hatte die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte noch bei 199 gelegen, 2013 waren es 69 Delikte. Nach Recherchen von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT zu Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte im Jahr 2015 konnten nur wenige Täter gefasst und verurteilt werden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte im Juni kritisiert, dass deutsche Flüchtlingsheime nur unzureichend gegen fremdenfeindliche Attacken geschützt seien. Es gebe keine einheitlichen Schutzkonzepte.