In vielen deutschen Pflegeheimen werden alte Menschen nur schlecht betreut. Gleichzeitig ist es sehr teuer, in so einer Einrichtung zu leben. Die Versicherungen übernehmen nur einen Teil der Kosten. Dass sich viele Senioren den Aufenthalt dort nicht leisten können, untermauert nun ein Bericht der Bertelsmann-Stiftung (Pflegeinfrastruktur: Die pflegerische Versorgung im Regionalvergleich, 2016, PDF).

Der kommt zu dem Schluss: Der fällige Eigenanteil für einen Heimplatz liegt in fast der Hälfte aller Städte und Kreise (44 Prozent) über dem durchschnittlichen Haushaltsbudget der über 80-Jährigen. Im Jahr 2013 mussten 41 Prozent aller Pflegebedürftigen zusätzlich Sozialhilfe beantragen.

"Ist das Geld zu knapp für die Versorgung im Heim, hat das zur Folge, dass häufiger Angehörige einspringen oder Pflegebedürftige zusätzliche Sozialleistungen beantragen", sagte Stefan Etgeton, Kulturwissenschaftler und Projektleiter zum Thema Versorgung bei der Bertelsmann-Stiftung. Die Entscheidung zur heimischen Pflege sei also nicht immer frei, sondern häufig auch an wirtschaftliche Notwendigkeiten gebunden.

Der Studie zufolge bestünden große regionale Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg sowie in den Stadtstaaten überstiegen die Pflegekosten das durchschnittliche Jahreseinkommen der Senioren zum Teil deutlich. In einem Viertel der Kreise reichten die finanziellen Mittel nur für eine Versorgung im Heim für maximal zehn Monate. In den ostdeutschen Ländern, in Schleswig-Holstein und in weiten Teilen Niedersachsens sei dagegen die durchschnittliche Kaufkraft der Senioren mehr als ausreichend, um die Kosten für die stationäre Pflege zu tragen.

Wie findet man ein gutes Heim für sich oder Angehörige? Hier geht es zum Pflegewegweiser. © [M] ZEIT ONLINE / Mehdi Fedouach/AFP/Getty Images

Eine wesentliche Ursache für das Gefälle sei die Bezahlung der Pflegekräfte. Sie verdienten nach Informationen der Studienautoren im Jahr 2013 zwischen 1.714 Euro und 3.192 Euro im Monat. Die Fachkräfte werden dabei im Norden und Osten deutlich schlechter bezahlt als im Westen und Süden der Bundesrepublik.

Diese Lohnunterschiede wirkten sich auch auf die Heimkosten aus. Professionelle Pflege kostet je nach Region im Schnitt pro Tag zwischen 88 Euro im Jerichower Land und Zwickau und 153 Euro in Köln und Krefeld. Bislang fehle es der Politik an einer Lösung, wie Altenpflegekräfte leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Familien finanziell zu überfordern, kritisieren vor diesem Hintergrund die Autoren der Studie.

Woran das Pflegesystem krankt, wie Sie ein gutes Heim finden und was sich ändern müsste in der deutschen Altersversorgung lesen Sie hier in unserem Themendossier Pflege: Einblick in deutsche Heime.