Am Fundort der Leiche des ermordeten Mädchens Peggy sind DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden. Das teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit. Wie die Genspuren dorthin gelangten, sei unklar. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung wurden die Spuren an einem Stofffetzen gefunden.

Allerdings ist es theoretisch auch möglich, dass die DNA-Probe verunreinigt wurde. Das Skelett von Peggy und die Leiche Böhnhardts seien im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden, berichtet der Spiegel unter Berufung auf Ermittlerkreise. Zwischen den Untersuchungen lagen gut fünf Jahre.

Laut ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt gehen die Ermittler nicht von einem Zusammenhang mit der NSU-Terrorserie aus. Allerdings werde vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse ein Kindermord in Jena aus dem Jahr 1993 geprüft. Damals war gegen Böhnhardt ermittelt worden, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete.

Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses zeigten sich entsetzt. Katharina König, Obfrau der Linken, forderte einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher. Ähnlich äußerte sich SPD-Obfrau Dorothea Marx.

Spielzeug und ein Kinderschuh

Über mögliche Zusammenhänge zwischen dem NSU und dem Mordfall Peggy war bisher nichts bekannt. Im Prozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe war allerdings immer wieder gerätselt worden, warum im Camper der Rechtsterroristen Kinderspielzeug und ein Kinderschuh gefunden worden waren.

Nun könnte auch ein anderes Detail wieder eine Rolle spielen: Auf einem Computer des NSU hatte man kinderpornografisches Material gefunden. Das Verfahren war im Februar 2013 eingestellt worden, weil die zu erwartende Strafe im Verhältnis zu den Strafen für die terroristischen Taten "voraussichtlich nicht beträchtlich ins Gewicht" falle, hatte die Zwickauer Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Bereits Ende der 1990er Jahre war gegen Zschäpe wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelt worden. Das Verfahren wurde damals eingestellt, weil Zschäpe untergetaucht war.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Beate Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen zu äußern. "Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Zudem forderte Daimagüler, Einzelheiten über die  Kinderporno-Dateien auf dem Computer des NSU neu zu untersuchen. Er kündigte einen neuen Beweisantrag im NSU-Prozess an.

Leichenfund im Juli

Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Weg zur Schule spurlos verschwunden. Trotz intensiver Suchaktionen blieb das Kind 15 Jahre lang vermisst.

Am 4. Juli 2016 hatte ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen die sterblichen Überreste von Peggy gefunden. Der Fundort liegt nur etwa 15 Kilometer vom Elternhaus der damals Neunjährigen entfernt.

2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er wurde zwei Jahre später in einem Indizienprozess als Sexualmörder zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach anhaltenden Zweifeln an seiner Schuld wurde er im Jahr 2014 wieder freigesprochen. Im vergangenen Jahr musste die Staatsanwaltschaft ein gegen drei Verdächtige geführtes Verfahren mangels Beweisen einstellen. Damals waren bereits 4.800 Spuren überprüft und mehr als 180 Zeugen vernommen worden.

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) wird für eine Mordserie mit zehn Toten verantwortlich gemacht. Die Opfer waren vorwiegend Migranten.