Im Sommer wurden sie für ihren Twitter-Account Straßengezwitscher mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet: Johannes Filous und Alexej Hock aus Dresden. Seit März 2015 dokumentieren sie rechte Demonstrationen und Angriffe auf Geflüchtete in Sachsen. Am 8. und 9. Oktober lädt ihr Verein nach Dresden zum Kongress 2gather.

ZEIT ONLINE: Am Tag der Deutschen Einheit in Dresden wurden Politiker, Journalisten und einfache Bürger angepöbelt, beschimpft und bedroht. Ist Aufklärungsarbeit in Sachsen gefährlich?

Johannes Filous: Als wir am 3. Oktober von der Frauenkirche berichtet haben, hat einer der Demonstrierenden zu mir gesagt: "Aber du weißt schon, du lebst hier auch gefährlich." Man muss davon ausgehen, dass Aufklärung nicht ganz ohne ist. Man sollte solche Kommentare auf jeden Fall ernst nehmen. Aber Angst habe ich keine.

ZEIT ONLINE: Auch nicht, wenn Sie persönlich bedroht werden?

Filous: Ich bin vorsichtig. Ich schaue zum Beispiel, ob ich von einer Demonstration gut weg komme, ob ich allein bin oder andere Journalisten vor Ort sind. Es gibt immer mal wieder konkrete Bedrohungen, vor allem im Internet. Zum Beispiel von der rechtsradikalen Gruppierung Freie Aktivisten Dresden. Das ist auch alles noch online auf Twitter und Facebook, die verstecken sich nicht. Aber die plustern sich nur auf, im Endeffekt sind das feige Menschen.

ZEIT ONLINE: Die Drohungen bleiben also folgenlos?

Filous: Nicht ganz. Beim Pegida-Geburtstag im letzten Jahr zum Beispiel wurde mein Kollege Alexej in den Rücken getreten. Auf einer AfD-Kundgebung in Dresden hat mir einmal ein Vollvermummter auf den Arm geschlagen, als ich ein Übersichtsfoto von der Demonstration machen wollte. Wir sind auch schon nach der Berichterstattung verfolgt oder eingekesselt worden. Das ist schon unschön, wenn man nicht mehr wegkommt. Das ist aber schon eine Weile nicht mehr passiert.

ZEIT ONLINE: Fühlen Sie sich von den Sicherheitsbehörden ausreichend geschützt?

Filous: Ja und nein. Die Polizei hat uns oft geschützt und auch die Pressearbeit überhaupt erst möglich gemacht. Es gibt aber auch Fälle, in denen unsere Arbeit aktiv verhindert wurde. Die Polizei hat sogar mehrfach Sympathiebekundungen gegenüber rechten Demonstrierenden gezeigt.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ein Beispiel?

Filous: In Freital wurden wir einmal von Hooligans bedroht und die Polizei hat die Lage überhaupt nicht ernst genommen. Wir kamen nicht mehr weg und mussten uns abholen lassen, womit wir auch andere Menschen in Gefahr gebracht haben. Das ist ärgerlich und unverständlich. Am Tag der Deutschen Einheit wurde einer unserer Reporter von einem Bundespolizisten als "Zeckenpresse" bezeichnet.

ZEIT ONLINE: Das klingt nicht nach neutraler Polizei.

Filous: Man darf das nicht generalisieren, das ist mir ganz wichtig, das waren einzelne Beamte. Aber sicherlich hat die sächsische Polizei Schwierigkeiten mit der politischen Bildung in den eigenen Reihen. Das ist kein Geheimnis, da gibt es auf jeden Fall Handlungsbedarf. Wenn zu erkennen ist, dass Polizisten nicht einmal wissen, welche Grundrechte sie schützen, dann ist das ein verheerendes Zeichen.