Das US-Justizministerium will ab dem kommenden Jahr landesweit Fälle von Polizeigewalt in einer Datenbank sammeln. Umfassende und präzise Informationen seien unentbehrlich, um Vertrauen zwischen den Strafverfolgungsbehörden und den Bürgern herzustellen, sagte Justizministerin Loretta Lynch in Washington. Der Mangel an vollständigen Angaben habe es bislang sehr schwer gemacht, die Ursachen für Polizeischüsse zu ermitteln oder herauszufinden, ob die Fälle zugenommen hätten oder bloß verstärkt über sie berichtet werde.  

Bei dem Projekt handelt es sich um den bisher umfassendsten Versuch der Regierung, diesbezügliche Daten zu sammeln. Bisher stammen die umfassendsten Aufzeichnungen über tödliche Polizeigewalt vom britischen Guardian und der Washington Post. Nach den Daten wurden im vergangenen Jahr 991 Menschen von der Polizei erschossen, in diesem Jahr waren es 754.

"Ohne Daten können wir keine sachgerechte Diskussion führen"

James B. Comey, der Direktor der Bundespolizei FBI, sagte im vergangenen Jahr, es sei beschämend, dass die Medien bessere Aufzeichnungen über die Todesfälle besäßen, als seine eigene Behörde. "Wir können keine sachgerechte Diskussion führen, weil wir keine Daten haben", sagte er laut New York Times.

Seit den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown in der Stadt Ferguson 2014 haben mehrere Fälle von Polizeigewalt die USA aufgewühlt und zu Protesten geführt. Nicht selten waren die Opfer unbewaffnete Afroamerikaner.

Da es Tausende unterschiedliche Polizeibehörden in den USA gibt, ist das zentrale Sammeln von Daten sehr schwierig. Bürgerrechtsanwälte kritisierten nach einem Bericht der New York Times, dass das Übermitteln der Daten für örtliche Polizeistellen teilweise freiwillig sei. Es sei bislang nicht klar, welche Geldbußen verhängt werden sollten, um dafür zu sorgen, dass Fälle von Polizeigewalt auch tatsächlich gemeldet werden.