Attac ist wieder gemeinnützig. Das Hessische Finanzgericht in Kassel sprach dem globalisierungskritischen Netzwerk den Status wieder zu. Damit setzte sich Attac gegen das Frankfurter Finanzamt durch, das ihm vor zwei Jahren die Gemeinnützigkeit für die Jahre 2010 bis 2012 entzogen hatte. Die damalige Begründung war, Attac sei zu politisch.  

Das hessische Gericht begründete seine Entscheidung nun damit, politische Aktionen stünden der Gemeinnützigkeit nicht entgegen, solange Attac damit seine gemeinnützigen Satzungsziele verfolge. Zu diesen Zielen gehört auch politische Bildung. Für zulässig hielt das Gericht etwa die Entwicklung eines Genossenschaftsmodells für das Ökotextilunternehmen hessnatur oder Veranstaltungen zum Wohnungsleerstand in Hamburg. Beides war vom Finanzamt beanstandet worden. Auch die Forderung von Attac nach einer Besteuerung von Börsenumsätzen durch eine Finanztransaktionssteuer sei zulässig, urteilte das Gericht. Sie betreffe die Steuergerechtigkeit und damit "eine zentrale Grundlage unseres Staats". Gegen das Urteil ließ das Finanzgericht keine Revision zu.

Nach dem Entzug der Gemeinnützigkeit 2014 waren Spenden an die Organisation nicht mehr steuerlich absetzbar gewesen. Attac sah seine Finanzierungsbasis bedroht und klagte dagegen. Einmischung sei letztlich politische Bildung, lautete die Argumentation der Globalisierungskritiker.

"Dieses Urteil ist ein Sieg für die gesamte Zivilgesellschaft", sagte Attac-Vorstand Dirk Friedrichs. "Eine moderne Demokratie braucht kritische Bürgerinnen und Bürger und starke Nichtregierungsorganisationen, die politische Entscheidungsprozesse aktiv begleiten und sich einmischen."

Das Kasseler Urteil gibt auch anderen Organisationen Rückhalt, denen das Finanzamt Frankfurt am Main III die Gemeinnützigkeit entzog. Dazu gehört nach eigenen Angaben die Frankfurter Organisation Doña Carmen, die sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt. Grund sei unter anderem "das Anbieten von Bordellführungen" gewesen.