Überraschende Wendung im Fall der Todesschüsse von Georgensgmünd: Mit sofortiger Wirkung hat die Polizei in Franken zwei Beamte vom Dienst suspendiert. Die beiden hatten Kontakt zu dem 49-jährigen Reichsbürger, der im mittelfränkischen Georgensgmünd einen Polizist erschossen hat. Das teilten die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und das Polizeipräsidium Mittelfranken mit.

Den Ermittlungen zufolge handelt es sich bei den beiden Beamten um einen 49-Jährigen Oberkommissar und einen 50-Jährigen Hauptkommissar. Beide sollen Mitglieder einer WhatsApp-Gruppe gewesen sein, der auch der Täter aus Georgensgmünd angehörte. Möglicherweise hatten sie zu ihm auch persönlichen Kontakt. Zu der Gruppe gehörten auch die Frau des 50-jährigen Polizisten sowie weitere von den Ermittlern nicht näher benannte Personen.

Die Auswertung der Chatverläufe zeigt laut Staatsanwaltschaft, dass der 50-jährige Polizist möglicherweise Dienstgeheimnisse an den Reichsbürger in Georgensgmünd weitergab. "Es wurde festgestellt, dass eine Abfrage des Beschuldigten aus Georgensgmünd durchgeführt und ihm mitgeteilt wurde", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Aus diesem Grund wurden am Mittwochvormittag bei den beiden Polizisten Durchsuchungen durchgeführt.

Einen Zusammenhang mit der Razzia, bei der der Beamte des SEK erschossen wurde, gibt es laut den Ermittlern allerdings nicht. Die Abfrage sei wesentlich früher mit dem Ziel erfolgt, festzustellen, ob und was gegen den Reichsbürger vorliegt. Der Oberkommissar wird nun als Verdächtiger geführt. Sein Kollege und dessen Ehefrau gelten dagegen als Zeugen.

Ermittlungen Franken - Polizisten kannten tatverdächtigen "Reichsbürger" Die beiden Beamten des Polizeipräsidiums Mittelfranken hätten Chatkontakt zu dem mutmaßlichen Täter gehabt, so der dortige Polizeipräsident. Wegen ihrer Nähe zur Ideologie der "Reichsbürger" seien sie vom Dienst suspendiert worden. © Foto: Armin Weigel / dpa

Der Reichsbürger in Georgensgmünd hatte bei der Durchsuchung das Feuer eröffnet, als die Beamten in sein Haus eindrangen. Bei dem Täter handelt es sich um einen Jäger, der 31 Lang- und Kurzwaffen zunächst legal besaß. Von den Behörden wurde er aber als nicht mehr zuverlässig eingestuft. Deshalb sollten ihm seine Waffen entzogen werden. Zuvor hatten die Behörden seinen Jagdschein und seine Waffenbesitzkarte für ungültig erklärt.

Sogenannte Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren auch amtliche Bescheide nicht