Der Spielzeughersteller Lego hat einer Kampagne gegen Hassbotschaften zu großer Aufmerksamkeit verholfen – wie auch dieser Text bei ZEIT ONLINE zeigt. Die Kampagne Stop Funding Hate will Unternehmen überzeugen, nicht in Medien zu werben, die Stimmung gegen Flüchtlinge und Andersdenkende machen. Ziel dieser Initiative ist nun unter anderem die britische Tageszeitung Daily Mail geworden. Lego hatte in der Vergangenheit auffällige Werbung in der Daily Mail geschaltet und reagierte nun mit einem Tweet auf die Kampagne. Lego-Fans sind begeistert.

"We have finished the agreement with The Daily Mail and are not planning any future promotional activity with the newspaper", schrieb das Unternehmen in seinem offiziellen Twitter-Account. Übersetzt: Wir haben die Übereinkunft mit der Daily Mail beendet und planen keine künftigen Werbeaktionen mit der Zeitung.

Die Betreiber von Stop Funding Hate schreiben, man stehe für Meinungs- und Pressefreiheit. Doch wolle man eine "Kultur des Hasses und der Dämonisierung" bekämpfen, da sie die politische Diskussion vergifte. Daher wurden Firmen aufgefordert, in Zeitungen wie Sun, Daily Express oder Daily Mail keine Werbung mehr zu schalten. Es gehe nicht darum, auf die Überschriften oder Texte in den Medien Einfluss zu nehmen. Firmen sollten nur für sich entscheiden, ob die entsprechenden Zeitungen das richtige Werbeumfeld für ihre Marken seien.

Richter als "Volksfeinde" bezeichnet

Gegründet wurde Stop Funding Hate von dem Autor Richard Wilson. Es ist nicht die einzige Initiative dieser Art. Fast 30.000 Menschen haben bei change.org eine Petition unterzeichnet, die sich gegen Werbeanzeigen im Daily Express richtet.

Die Daily Mail hatte beispielsweise den britischen High Court für ein Urteil zum Brexit kritisiert. Das Gericht hatte geurteilt, das Parlament müsse beim Brexit mitentscheiden dürfen, Premierministerin Theresa May könne nicht allein den Artikel 50 des Lissabon-Vertrages auslösen. Die Zeitung bezeichnete die Richter des höchsten Gerichts daraufhin auf der ersten Seite in einer Überschrift als "Volksfeinde" (enemies of the people).

Lego wollte seinen Tweet nicht weiter kommentieren. Der BBC sagte ein Unternehmenssprecher lediglich, man nehme sich viel Zeit zuzuhören, was Kinder sagten und wünschten. Und wenn Eltern und Großeltern ihre Meinung äußerten, höre man genauso aufmerksam zu.

Fans waren begeistert von der Unterstützung durch Lego. So twitterte Schauspieler Ewan McGregor: "Bravo!!!"

Der Tweet hat Lego nicht viel gekostet. Man kann ihn auch so verstehen, dass der Werbedeal mit der Zeitung bereits beendet war und es nun einfach keine Fortsetzung geben wird. Doch hat Lego schon einmal gezeigt, dass man bereit ist, Kooperationen zu beenden, die dem eigenen Image schaden. 2014 kritisierte Greenpeace mit einem millionenfach angesehen Video, dass Lego seine Figuren in Shell-Tankstellen verkauft. Shell zerstöre die Umwelt und wolle in der Arktis nach Öl bohren, so Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation ertränkte dazu Lego-Figuren und Tiere in Erdöl.

Glücklich war man darüber bei dem Spielzeughersteller nicht. Man halte nichts von der Taktik der Umweltschützer, schrieb Lego-Chef Jørgen Vig Knudstorp damals. Greenpeace solle direkt mit Shell reden und nicht die Marke Lego dazu nutzen. Und er schrieb, dass der Vertrag mit Shell nicht verlängert werde. Aber man halte sich an Verträge und werde auch den mit dem Ölunternehmen bis zum Ende erfüllen.

Änderung: Der High Court wurde von uns fälschlich als oberstes britisches Gericht bezeichnet, das ist er nicht. Danke an Leser Am_Rande für den Hinweis.