Hinzu kommt, dass es für die Hälfte der Jugendlichen wichtig ist, was die Leute, mit denen sie im (Online-)Kontakt stehen, über ein Thema denken. Der Austausch mit dem sozialen Umfeld und Prominenten ist für Jugendliche eine wichtige Referenz. Das, was Journalisten meinen oder recherchiert haben, ist dagegen nur für ein knappes Drittel relevant. Journalisten sollten deshalb besser über ihre Arbeitsweise aufklären um Heranwachsenden ihre Legitimation zu verdeutlichen. Denkbar sind zum Beispiel Making-of-Infos zum Online-Artikel,  jugendaffine Medienmagazine oder die Beteiligung von Journalisten an medienpädagogischen Schulprojekten.

Ist die Medienberichterstattung widersprüchlich, entscheiden sich Jugendliche überwiegend für Informationen aus Tageszeitung, Fernsehen und Radio, aber unter den Älteren vertrauen immerhin ein knappes Fünftel der 18- bis 19-Jährigen ganz dem Internet. Und dort sind es nicht nur die journalistischen Angebote, die zählen, sondern Google, Facebook und YouTube, wie die neueste JIM-Studie zeigt. Hinzu kommt: Die Widersprüchlichkeit von Informationen nehmen die Jugendlichen oft  nicht mehr wahr. Denn in der Filterblase fällt es gar nicht auf, dass es noch andere Nachrichten gibt.

Damit Heranwachsende kritisch und reflektiert mit Medien umgehen lernen, sind zunächst die Eltern wichtig. Schon im Grundschulalter sind sie gefordert, mit ihren Kinder über das Weltgeschehen zu sprechen und ihnen zu helfen, Nachrichten und Meinungen einzuordnen und zu hinterfragen. In Studien zur Nachrichtenrezeption zeigt sich immer wieder, dass die Familie die Interpretationsfolie liefert, auf der Nachrichten verstanden werden. Allein die Eltern in die Pflicht zu nehmen, reicht jedoch nicht aus. Schließlich sind Erwachsene auf dem Gebiet der Medienkritik auch nicht immer versiert. Eltern fühlen sich oft überfordert, wenn es um die schnelle Entwicklung im Bereich Mobile Medien und Social Media geht. Sie sorgen sich außerdem viel mehr darum, dass ihre Kinder Opfer von Mobbing werden könnten oder ihre Daten im Netz achtlos preisgeben und weniger darum, wie sie mit Information umgehen.

Medienkompetenz hängt vom sozialen Hintergrund ab

Die Medienkompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler hängt zudem noch viel zu sehr von ihrem sozialen Hintergrund ab, wie beispielsweise die ICLIS-Studie zeigte. Die Studie offenbarte auch, dass nur sehr wenige deutsche Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Online-Information besonders kompetent sind, ein gutes Drittel sich aber in den untersten Kompetenzstufen tummelt. In der Studie wurden sie unter anderem gebeten, die Glaubwürdigkeit von Informationen auf Crowdsource-Websites zu bewerten, oder sie sollen erkennen, ob mit einer Nachricht ein Produkt verkauft werden sollte.

Die JIM-Studie bestätigt das bekannte Ergebnis, dass höher gebildete Schüler im Internet eher nach Informationen suchen als niedriger gebildete. Die Ausnahme: Die schnelle, ungeprüfte Information über die sozialen Netzwerke erreicht die wenig Gebildeten sogar häufiger.

So ist also doch in erster Linie die Schule gefragt. Sie muss das Thema im Unterricht und in medienpädagogischen Projekten angehen und kann sich hierbei Unterstützung durch die Medien selbst und medienpädagogische Profis holen. Dabei darf jedoch nicht nur die korrekte Recherche nach unterrichtsrelevanten Daten und Fakten im Mittelpunkt stehen. Auch die politische Bildung muss hier einen hohen Stellenwert bekommen, damit die Heranwachsenden Hinweise auf unglaubwürdige Quellen erkennen, skeptisch mit emotionsheischenden Meldungen umgehen und einordnen können, welche politischen Positionen hinter populistischen Postings stecken.