Flüchtlinge haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterhin schwer. Das geht aus Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört. Von Dezember 2015 bis November 2016 schafften es demnach nur 34.000 Einwanderer aus den acht wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern, eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden. 

Den Zahlen zufolge arbeiten 22 Prozent als Leiharbeiter. Rund 20 Prozent sind ohne Zeitarbeit in sogenannten wirtschaftsnahen Dienstleistungen beschäftigt. "Nimmt man das Gastgewerbe dazu, sind insgesamt 57 Prozent der Menschen in diesen Bereichen beschäftigt", sagte IAB-Direktor Joachim Möller. Insgesamt seien bei den Arbeitsagenturen 406.000 arbeitssuchende Flüchtlinge registriert, 160.000 davon seien als arbeitslos erfasst.

"Wenn wir es geschafft haben, nach fünf Jahren 50 Prozent in Lohn und Brot zu bekommen, ist das sicherlich ein Erfolg", sagte Möller. Dafür müsse aber in Integration investiert werden. Es sei eine Illusion, "zu glauben, dass wir eine große Zahl der Geflüchteten in unseren gut bezahlten Industriearbeitsplätzen wie beispielsweise der Automobilindustrie haben werden". Zeitarbeit habe für Migranten dagegen eine besondere Funktion. "Viele Betriebe sind erst einmal skeptisch, Zeitarbeit hilft, erste Bedenken zu nehmen." 

Als Instrument gegen die Arbeitslosigkeit hat Arbeitsministerin Andrea Nahles ein Ein-Euro-Job-Programm für Flüchtlinge initiiert. Bisher sind dadurch aber nur wenige Jobs geschaffen worden. "Nach ersten Zahlen entstanden bisher rund 5.000", sagte Möller. Das im August gestartete Programm soll 100.000 öffentlich geförderte Jobs für Flüchtlinge schaffen.

Mehr Jobs für Deutsche

In der Flüchtlingskrise sind aber auch viele Arbeitsplätze neu entstanden – für Deutsche. "Wir rechnen mit einer Größenordnung im mittleren fünfstelligen Bereich, mit etwa 50.000 oder 60.000", sagte Möller. Die Stellen seien etwa im Bau, bei außerschulischen Lehrtätigkeiten und Sprachlehrern, Wachleuten, Sozialarbeitern und in der öffentlichen Verwaltung entstanden.

Die Einschätzung stammt allerdings noch vom Anfang des Jahres. "Wir gehen davon aus, dass damals einige der aufgrund der Flüchtlingsmigration neu geschaffenen Stellen noch gar nicht besetzt waren, sondern erst danach hinzukamen. Deshalb könnte der Effekt heute sogar noch etwas größer sein", sagte Möller. Eine Bilanz über die Auswirkungen auf die Wirtschaft könne erst nach fünf oder zehn Jahren gezogen werden. "Es wird vermutlich keine Überschussrechnung sein. Aber Vielfalt kann auch produktiv sein."