In Deutschland haben einem Medienbericht zufolge auch im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen Asylanträge gestellt als in der gesamten übrigen EU. Das berichtet Die Welt und beruft sich auf Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat zu den ersten drei Quartalen 2016. Demnach entfielen von den 988.000 Asylanträgen in den EU-Staaten zwei Drittel auf die Bundesrepublik; dem Bundesinnenministerium zufolge 658.000.

Viele der 2016 in Deutschland gestellten Asylanträge seien allerdings nicht von neu eingereisten Menschen gestellt worden, schreibt die Zeitung. Viele seien schon 2015 ins Land gekommen, konnten aber wegen der Behördenüberlastung erst 2016 ihren Antrag stellen.

In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres seien in Deutschland 272.000 Einreisen im Erfassungssystem Easy registriert worden, heißt es weiter. Laut dem Bericht könnten es aber weniger sein, weil einige Ausländer doppelt registriert würden, wenn sie nach der Verteilung auf ein bestimmtes Bundesland unerlaubt weiterreisen.

Entsprechend sei 2016 in Deutschland auch über mehr Asylanträge entschieden worden. Demnach gab es in Deutschland 420.000 Asylentscheidungen in erster Instanz. Weit abgeschlagen folgen Italien mit über 68.000 Entscheidungen, Frankreich mit 63.000 und Schweden mit 57.000 Entscheidungen.

Die Zahlen zur tatsächlichen Entscheidung über Asylanträge liefern dem Bericht zufolge den besseren Vergleich über die "dauerhafte finanzielle und soziale Belastung durch die Flüchtlingsaufnahme" unter den einzelnen EU-Staaten, weil auch viele Migranten unerlaubt in ihren Wunschstaat weiterreisten, nachdem sie ihren Asylantrag in ihrem eigentlichen Ankunftsland gestellt hätten.

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) sagte dem Blatt, die Zahlen zeigten, dass "der oft erhobene Vorwurf, Europa schiebe seine Verantwortung für die Flüchtlingsaufnahme auf die Südländer ab", sich nicht halten lasse. Deutschland nehme nach wie vor viel mehr Flüchtlinge und Migranten auf als die übrigen EU-Staaten.