Als Burghard B. vor einigen Jahren das Interesse regionaler Medien auf sich zog, wirkte er spinnert, aber harmlos: Ein weißhaariger Mann mit langem Bart in knöchellangem Gewand, der Wandergruppen als keltischer Druide durch die Rhön führte. Sogar der Bayerische Rundfunk filmte B. beim Kräutersammeln im Wald und beim Bogenschießen – und ließ ihn erzählen, er sei vor 2.500 Jahren in einer Winternacht als Neffe des Zauberers Merlin geboren worden.

Inzwischen ist Burghard B. wegen anderer Dinge auffällig geworden: Der Generalbundesanwalt schickte am Mittwochmorgen Polizisten zur Wohnung von B. und zu denen einiger seiner Gleichgesinnten: Die Bundesanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen und fünf anderen Beschuldigten vor, gemeinsam eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben.

Seit dem Frühjahr 2016 habe die bundesweit vernetzte Zelle geplant, "bewaffnete Angriffe auf Polizisten als Repräsentanten des Staates, Asylsuchende und Menschen der jüdischen Glaubensgemeinschaft zu begehen", erklärte der Generalbundesanwalt anschließend schriftlich. Ein siebter Verdächtiger habe sie dabei unterstützt. Die Zelle soll sich Waffen und Munition besorgt haben.

Rechtsextremismus - Waffen und Sprengstoff bei Durchsuchung sichergestellt Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach einer Razzia gegen sechs Verdächtige wegen Bildung einer rechten Terrorvereinigung. Ob es eine Verbindung zu den sogenannten Reichsbürgern gibt, wird noch geprüft. © Foto: Screenshot/Reuters TV

Zwei Haftbefehle werden geprüft

Insgesamt 12 Wohnungen wurden laut Bundesanwaltschaft durchsucht. An dem Einsatz in Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt waren etwa zweihundert Polizeibeamte beteiligt.

Zwei der Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen, Haftbefehle gegen sie würden geprüft, so die Bundesanwaltschaft. An zwei Orten wurden bei den Razzien Waffen, Munition und Sprengmittel gefunden. In Berlin nahm die Polizei am Ort der Razzia noch einen dritten Mann fest, aber er war eher Beifang. Laut Polizei war er wegen eines "öffentlichen Aufrufs zu Straftaten" in Berlin mit Haftbefehl gesucht worden.

Burghard B., der zuletzt im baden-württembergischen Schwetzingen lebte, gilt als zentrale Figur der Gruppe. Auf Facebook und in anderen sozialen Medien hatte der selbst ernannte Druide in jüngerer Zeit hemmungslos gegen Migranten und die Bundesregierung gehetzt und Vernichtungsfantasien gegen Juden verbreitet. Er rief wiederholt zu bewaffneten Angriffen auf und erkundigte sich nach Schusswaffen.

B. treibt sich schon länger in der Szene der sogenannten Reichsbürger und der Rechtsesoteriker herum. Er trat wiederholt auf Kundgebungen auf – zum Beispiel gegen die Bilderberg-Konferenz im Sommer 2016 in Dresden.

Bei Worten wollte er es offensichtlich nicht belassen. Unter anderem auf Facebook propagierte er eine "Säuberungsaktion stalinistischen Ausmaßes" und suchte dafür Gleichgesinnte. Auch auf der russischen Plattform VK hatte er sich dazu mit vielen radikalen Spinnern vernetzt.